Kommentar im „Stigma Videospiele“-Forum, über Brian Moriarty auf der GDC 2011

Kommentar: ‚…
Genau um den Ausdruck eines „Manhunts“ ginge es mir auch, doch das geschieht nicht. Warum?
Eben wegen solcher Vorträge wie von Moriarty.

Sie beweisen offenbar auch die Kraft eines Ökonomismus außerhalb von Deutschlands: hier kennt man ja schon die ganzen Vorstellungen von Kunst und Kultur, der Dichotomie wenn schon nicht Antinomie von Unterhaltung und Kommerz dazu.
Singularität und Nutzen: was allein angesichts der ganzen christlichen Kunst in Europa völlig irrsinnig ist, welche historisch ja fast nur über Gebrauchsgegenstände wie Kathedralen geschaffen wurde. Von dem was ein Adorno unterschied, also Authentizität und Massenerzeugnis, mal ganz abgesehen: dazu gab es zuletzt vom Komponisten Peter Wolf den Hinweis, dass man womöglich gerade auch deshalb – nicht bloß aus wirtschaftlichen Gründen – eher zu Videospielen tendiert weil Musik (allein) über Computer halt äußerst beliebig vervielfältigbar geworden ist. Dazu braucht man ja bloß auf YouTube zu gehen und sich die Vielzahl an unterschiedlichen Varianten von Popsongs in Videos ansehen. Ein Urheberrecht ist dagegen auch machtlos.

Insgeheim habe ich ja schon so etwas erwartet einmal, entweder von Chris Crawford, näher bei Literatur, oder halt von ihm
Aber der Crawford scheint mir da auch keinen guten Draht mehr zu haben.

Historisch könnte man sogar noch argumentieren, dass manch ein Renaissance-Künstler kommerzieller orientiert gewesen ist als Jerry Bruckheimer.

Letztlich kommt es dabei halt auch (wieder) auf entsprechende Normen an: wieso sollen „die röhrenden Hirsche“ weniger künstlerischen Wert besitzen (sic!) als, um ein Beispiel aus der deutschen Zensurgeschichte zu nennen, „die angefahrenen Schulkinder“. Der menschliche Ausdruck bleibt so menschlicher Ausdruck.
Niemand kann bestimmen was für einen anderen Menschen von Bedeutung, Relevanz ist. Niemand. Das ist einfach auch kein demokratisches Denken mehr sondern bereits autoritär.
Genau so wenig wie jemand andere einigermaßen positiv besetzte Begriffe wie Gesundheit oder Normalität bestimmen kann.

Dass Moriarty so denkt, dafür gibt es aus meiner Sicht auch schon Hinweise in „Loom“, das formal ja einen doch erhabenen Charakter hat: dieser wird jedoch ständig mit sehr pubertären Humor gebrochen, ähnlich wie bei Monkey Island ja auch der Fall. Also glaubte er vor zwanzig Jahren schon irgendwie selbst nicht an die Kraft der Ausdrucksform digitaler Spiele.
Dazu sollte man sich auch Fragen was das, so Typen wie Moriarty oder Crawford – Letzterer hätte für die Industrie glaub ich nur mehr Beschimpfungen übrig -, persönlich für Leute (geworden) sind: wie deren Verhältnis zur Industrie, deren Werdegang, aussieht. Das sind für mich als Analytiker professionell von der Industrie mehr oder weniger zutiefst gekränkte und enttäuschte Wesen. Befangene im wahrsten Sinne des Wortes und allein deshalb schon ganz schlechte Auskunftspersonen (auch). Ähnlich wie ExpertInnen in Deutschland aber halt auch, so IDG-Redaktionen, können sie dabei eine Öffentlichkeit hingegen leichter manipulieren als ein Roger Ebert, der von Videospielen nun wirklich und nachweislich keine Ahnung hat.‘

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