Filmkritik: „Wall Street: Geld schläft nicht“ (2010)

Saturn ohne Sohn 7/10 Geldkonten ***

Oliver Stone’s Fortsetzung seines Hits aus den Achtzigern mag auf manche Leute zwar ungeheuer zeitgenössisch wirken, auf mich hingegen eher fast ähnlich oberflächlich wie das Gel welches sich Gordo, die Eidechse, nach der Stelle im Film in die Haare tut, an der er sich als der unverbesserliche Manipulator outet. Wie ein Wirtschaftskrieger der seine Rüstung anlegt: Michael Douglas stößt in diesem Film endgültig an seine schauspielerischen Grenzen und wirkt mit seinen ganzen Falten im Gesicht ähnlich starr wie die Fassaden an der Wall Street.
Stone hats sowieso verschlafen: der Bösling mit Goya an der Wand wird von seinem Bush-Darsteller gemimt, der wie immer großartige Frank Langella darf leider nicht lange was von seiner Kunst zeigen. Bleibt das junge Paar, und vor allem Carey Mulligan glänzt neben Shia LaBeouf – bei dem man von der jüngeren Generation jetzt her sowieso nie falsch liegen kann meiner Meinung nach.
Die meiste Zeit werden in diesem Film darüber hinaus leider vor allem Floskeln verschoben: ok, das tat Stone schon immer, aber hier fällt es mir so sehr auf wie nie zuvor, denn Stone will damit halt doch auch Gegenwart bebildern, ablichten, wenn schon nicht reflektieren.
Ständige Analogien zu Organischem, meist noch vorgetragen aus dem Off, bis hin zu wohl allzu bürgerlichen Familienbildern inklusive: Frauen scheinen in dieser Welt unangenehmer Weise eine bis ins Unscheinbare gehende passive Rolle einzunehmen, wenn sie schon nicht schwanger sind. Das geht hin bis zu Susan Sarandon die ein unsagbares Stereotyp abgibt. Schade.
Wissen um Fantasiesummen und die bis auf „Nixon“ in Drehbüchern von Oliver-Stone-Filmen doch öfter aufblitzende Altklugheit kommen bei mir zudem nicht gut an: mittlerweile glaub ich auch schon fast dass dessen Filme eigentlich furchtbar konservativ sind.
Ein lustiger Symbolismus in der Bilderflut, beeindruckende Kamerafahrten zu Beginn (anscheinend mit viel CGI-Hilfe), einige Regieeinfälle mit etwas Abwechslung, der absurde Soundtrack, ein paar doch eindringliche Gesprächssequenzen und nicht zuletzt das lächerliche Happy End retten den Film aber noch so, dass man ihn wenigstens nicht ernst nehmen braucht.

Rating 7.0

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