Kommentar(e) bei „Stigma Videospiele“ (erweitert)

Kommentar: ‚@purchaser
Nein ich verstehe diese “Kritik” nicht und kann so etwas auch nicht als “Meinung” akzeptieren: darum geht es auch gar nicht meiner Ansicht nach. Das erinnert mich etwa an Regine Pfeiffer, die zum Beispiel meinte, dass sich ihr “Daniel” einen kritischen Blick auf Games bewahrt hätte oder so ähnlich. Im Unterschied zu Anderen (hier)
Darum geht es aber nicht: ich persönlich halte (auch) 99% aller Games für miserabel. Naturgemäß schlecht. Die lehne ich auch ab, aber darum geht es eben nicht, sondern darum wie man auch dem das einem selber nicht gefällt begegnet. Dem was man selber nicht leiden kann. Wie, mit welchen Bezügen, man sich dem nähert: ob man etwa sagt – nein, das ist menschenverachtend, gewaltverherrlichend und abscheulich für mich, so wie ich “Naughty Bear” oder “Der Pate” sehe, oder ob man sagt, ja da, da ist eine Kriegsmentalität am laufen, die wollen ja nur den Krieg haben, Blut und Morde, Leichen auslachen, das ist (wie es Carsten Görig tat) gar nicht anders zu sehen, kann man gar nicht, usw. Nein, das ist auch undemokratisch. Allein weil kein gemeinsames Feindbild oft erkennbar ist: außer dem was man so auch aus Nachrichten hört. Games wie Call of Duty konstruieren eher noch gemeinsame Feindbilder in den eigenen Reihen – verschwörungstheoretisch UND politisch korrekt. Deshalb bin ich auch für einen Milius mal sehr dankbar. Sieht man einmal von No Russian ab ist Call of Duty nicht viel weniger politisch korrekt als wenn George Clooney mit einem Instant-Cafe in eine Kamera lächelt. Leider! Und das haben sie auch aus Hollywood übernommen – kein Wunder bei den ganzen Zusammenarbeiten. Ein politisch nachweisbar zielgerichteteres Opus, wie ein meiner Meinung (sic!) nach eindeutig antisemitischer Actionfilm aus der Türkei, wird jedoch entschuldigt. Weil diese Entschuldigung halt auch oder noch politisch korrekt(er) ist.
Macht Mel Gibson hingegen mal einen leicht misanthropischeren Jesusfilm als der Berlusconi-Jünger Franco Zeffirelli ist der Aufschrei hingegen (gleich) groß.
Ich habe ja hier schon manches erlebt: unlängst etwa, dass man offenbar glaubt, dass es etwas gäbe wie eine gesetzte Fragwürdigkeit. Das etwas nicht bloß individuell fragwürdig sein könnte, oder das gleich gar nicht, sondern dass Fragwürdigkeit über einen common sense laufen würde – so als ob man sich darauf einigen könnte das etwas fragwürdig wäre. Über Werte und Normen. Nein das kann man eben nicht. Das wäre auch Faschismus in meinen Augen.

Das was so als “Kritik” und “Meinung” transportiert wird ist in Wahrheit immer Gewalt, weil sie eine Unmoral nicht bloß in einem bestimmten Erzeugnis, einer bestimmten Person, wahrnimmt oder zu erkennen glaubt, sondern dahinter noch ganz andere Dinge nicht bloß vermutet, sondern als gegeben, als Wahrheit(en) annimmt – wie etwa Kriegsgeilheit, Gewalt-Lüsternheit, Provokation um der Provokation willen, Geldgier, Ideen-, Fantasielosigkeit usw. Ein ideologisch ganz negatives Menschenbild das da zum Vorschein kommt. Und das gehört zu einem gewissen Kulturpessimismus so wohl auch dazu.‘

‚@Crytek
Vielleicht liegt es daran, dass Killzone 3 zu stark auf den unmittelbaren Vorgänger aufbaut.
Grundsätzlich glaub ich, dass Shooter ganz schlecht nur Welten beschreiben können – weil sie immer auch relativ leer sind. Es gab/gibt in ihnen nie viel zu tun. Wofür sie gut sind ist wirklich nur schnell und einfach etwas zu erzählen, und da vor allem mit Gewalt zu konfrontieren. Das ist alles.
Ich spiele zum Beispiel gerade ein bisschen “Halo 3: ODST” weiter. Das unterscheidet sich von den anderen Halo-Spielen in der Kampagne insofern, dass es mit Automap in einer relativ frei begehbaren Welt an alte PC-Shooter wie “Jedi Knight” erinnert. Es ist zwar auch relativ linear, aber überhaupt fürchterlich leer. So sauge ich die grellen Neo-Noir-Farben und (Jazz-)Musik, den einmaligen Soundtrack von Marty O’Donnell, in mir auf – ich bin damit zufrieden, Andere werden es hingegen nicht sein. Das ist wahr.

Die Versuche aus dem Teufelskreislauf des Genres auszubrechen sind bislang auch alle kommerziell und von der etablierten Spiel-Kritik her leider gescheitert – von “Trespasser” 1998 angefangen. Ich sehe nur wenig Hoffnung für Shooter (allein) abseits von der Integration anderer Elemente wie bei “Bioshock” oder “Mass Effect 2″.‘

‚Wenn jemand der als Experte für Aquarelle auftritt etwa vielleicht auch zugibt mehr oder weniger, dass er mit der Farbe Gelb nicht klar kommt und deshalb nur Bilder mit roten, blauen oder grünen Farben goutiert, dann ist dessen Expertise, Kompetenz, Aussagekraft, wohl auch anzuzweifeln, noch dazu wenn Gelb dabei von dem beschimpft wird, verächtlich gemacht.
Was soll diese Zugabe besser, verständlicher machen, relativeren?
Oder zumindest welche Relevanz sollte so jemand für ein Medium haben – wie soll so jemand einem Medium auch nur annährend gerecht werden? In Anaylsen oder Kommentaren?
Die Logik in den Ausführungen hier erscheint mir sehr sonderbar. Ich komme zum Beispiel beim Musiktheater mit vielen Strukturen von Opern nicht klar – ergo äußere ich mich auch nicht über Opern für gewöhnlich. Ich rezensiere zum Beispiel keine.

Der Journalist Bernd Graff sprach einmal von “notwendiger Nachrichtengewalt”. Man stelle sich einen selbsternannten Japan-Fan und -Experten vor, der aber nur über vermeintlich schöne Dinge aus Japan informiert werden möchte. Einer der zum Beispiel nichts von Atomkraftwerken die zu explodieren drohen wissen möchte.
Das ist doch mehr als absurd. Es ist irrsinnig
Gefährlich. Pathologisch. Wahrhaftig ungesund. Krank. Das kann sogar Menschenleben gefährden – eine solche Ignoranz.

Aber dieses Fernseh-IgnorantInnentum sollte doch auch mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet werden. Was ist nun eigentlich daraus geworden?
Im Übrigen bin ich immer wieder überrascht wie gut hier diese Leute persönlich gekannt zu werden scheinen. “Simon”, “Budi, Nils” und was weiß ich noch wer alles? Wenn Ihr diese Menschen so gut kennt, warum bittet Ihr sie nicht einmal hier etwas zu schreiben – zu veröffentlichen. Warum wird dann so immer nur über sie gesprochen, aber treten diese hier nicht auch (regelmässig) in den Kommentaren in Erscheinung? Ich finde das – mit Verlaub – äußerst seltsam und bedenklich.‘

‚@Modgamers
Aha.
Nun, demnach wird da noch eine Ghettoisierung von Games vorgeschlagen – wonach sich dutzende Mittzwanziger anscheinend im Plauderton darüber unterhalten sollten, bisweilen “kindisch”, “kindlich” oder was auch immer. Eine geschlossene Gesellschaft also. Und wenn der Christian Pfeiffer zu Besuch kommt – wird der dann auch gedutzt? “Du Christian, ich finde Deine Studie aber ganz bäh!” “Ja voll blöd find ich die. Warum gibts denn das? Wir waren doch alle brav im Fernsehen. Haben auch schön nach oben gebuckelt und nach unten getreten. Immer. Versprochen!” “Ja genau, haben auch immer die doofen Amis mit ihren fetten Bäuchen kritizisiert oder wie das heißt”, usw. usf. So in etwa?
Mir scheint so sehr viel da “nicht passend” gefunden zu werden – auch abseits von Flughafenmassakern.
Und falls Du mit Deinem letzten Satz wieder mal mich persönlich beleidigen willst: ich möchte gar nicht “besser” sein. Das ist eigentlich auch der springende Punkt dabei immer gewesen…‘

‚@Extra Credits
Wo man wohl bei der amerikanischen Strichmännchen-Ausgabe dieser deutschen Sendung angelangt wäre. Mit einem ähnlichen, wenn schon nicht demselben Duktus: Videospiele sollen sich verbessern. Besser werden. Und zwar nicht so wie sie es selbst für richtig halten, sondern wie es ihnen eben von außen aufgezwungen wird – Fiktionen – über solche Sendungen. Es ist völlig egal ob da noch jemand dazu sagt, dass sie etwas nicht „dürften“: ein Soll wird so oder so in den Raum gestellt. Etwas das man nicht sehen möchte (darin), wie ZivilistInnen an Flughäfen massakrieren oder Leichenberge nach einer nordkoreanischen Invasion ansammeln.
„Begründet“ wird das dann damit, dass man Charaktere die damit in den Spielen sozusagen zu tun haben ansonsten (auch) lächerlich oder sonstwas Negatives finden würde, wie hier, aber das ist keine Begründung, sondern ein beliebiges subjektives Empfinden – das ich zum Beispiel für gewöhnlich schonmal überhaupt nicht nachvollziehen kann: ich finde es darüber hinaus nicht nur wirklich zynisch, sondern auch anmaßend und schlichtweg menschenverachtend. Gegenüber Kreativen und deren Erzeugnissen. Wenn einem etwas nicht gefällt so soll es so sein. Für Andere muss es das hingegen nicht. So halte ich es wie mit einem Robert Schindel in dessen Roman „Gebürtig“ für überaus fragwürdig mit Menschen von heute Szenen aus historischen Konzentrationslagern nachspielen zu wollen.
Dennoch würde ich einen Film wie „Schindlers Liste“ deswegen nicht verächtlich machen wollen.
„Die rote Flut“ hat mich persönlich sehr betroffen gemacht: sie zeigt gewöhnliche Teenager in einer beeindruckend ausweglosen Situation für mich. Weshalb sollte das ein „Prokriegsfilm“ oder etwas in die Richtung sein?
Ich verstehe überhaupt nicht wie man sich anmaßen kann Kriegsfilme das zu unterstellen. Bei einem Film wie „Erdbeben“ mit Charlton Heston wird man schließlich auch nicht so häufig hören, ja der Film sehnt sich ein Erdbeben herbei… Wie überhaupt bei Katastrophenfilmen – doch was kann es für eine größere Katastrophe schon geben als einen Krieg?
Dafür fehlt mir jegliches Verständnis. Das finde ich abscheulich und diese den Ausdruck Anderer verächtlich machenden Zugänge kann ich bloß verurteilen.

„Die rote Flut“ (Red Dawn) beschreibt verzweifelt-verrückte Menschen. Jugendliche ZivlistInnen. Ob es einem gefällt oder nicht. Ähnlich „Apocalypse Now“ SoldatInnen. Viele tun, können oder wollen das aber offenbar nicht so sehen – was bei „Die rote Flut“ noch hinzu kommt ist ein gewisser Humor welcher dazu führt, dass das ganze auch nicht ernst genommen werden braucht. Wie eine Geschichte die man sich am Lagerfeuer erzählt. Weil „Die rote Flut“ in erster Linie eines verbreiten soll aus meiner Sicht: Hoffnung. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass das bei „Homefront“, das ich hier am Tisch vor mir liegen habe, ähnlich ist. Und wie mir scheint kam man damit in Deutschland schon in der „Halo“-Franchise nicht zurecht, bis auf „Reach“ wo der Humor nachdrücklich rausgenommen wurde indem die Außerirdischen nicht mehr lustig sein durften weil ihnen darin eine verständliche Sprache genommen wurde, vor allem den Kleinen.

Das Bild das die Spiele abgeben soll besser werden heißt es, damit sie den „Kritikern“ halt auch keine Angriffsflächen (mehr) bieten. Jedenfalls weniger Leute etwas daran auszusetzen haben – im besten Fall. Damit sie angepasst(er) sind – so mehr gefallen. Einer Allgemeinheit. Als Fiktionen wie kulturelle Artefakte. Doch weshalb sollte das so sein?
Was mir hier völlig fehlt ist jegliche Selbstreflexion.

Zu „God of War“: Teil 2 und 3 waren epischer (2) respektive anarchischer (3) als der dramatisch-tragische erste Part, „God of War II“ epischer weil der erste Teil für viele als zu kurz empfunden wurde. „God of War III“ übertrieben(er), over the top. Auch nicht das Schlechteste.
Aber warum Cory Barlog und Stig Asmussen abqualifzieren? Was soll das? Vielleicht weil Jaffe ähnlich denkt wie die „Extra Credits“-Leute. http://criminalcrackdown.blogspot.com/2011/03/shit-or-get-off-pot.html Also ich mag David Jaffe, aber „God of War“ ist immer noch das einzige narrativ gefestigtere Werk das er neben aneinanderkrachenden Spielzeugautos von mörderischen Comic-Psychos zu Wege gebracht hat. Der hat eindeutig Nachholbedarf in Sachen Glaubwürdigkeit für mich. Weit mehr als ein Peter Molyneux zum Beispiel.
Ich persönlich fand „God of War“ etwa wesentlicher schlechter als die Nachfolger. Gut, „Ghost of Sparta“ fand ich auch spannender als den vermeintlichen Abschluss der Trilogie, weil Kratos darin wieder mal stärker mit seiner Vergangenheit konfrontiert wird: wenn ich eine griechische Tragödie lesen möchte gehe ich aber lieber zu Sophokles als zu David Jaffe.
Also geht es auch Extra Credits wieder um ein dying to belong: und gerade das haben Videospiele für mich nicht nötig. Sie haben keine Anbiederung nötig an etablierteren Ausdrucksformen, sie sollen ihr eigenes Ding durchziehen! Für sich selbst stehen.

Und wenn man so denkt: gilt das womöglich auch für Animationsfilme? Über ein Uncanny Valley?
Kann man ein „Persepolis“ zur Revolution im Iran 1979 dann etwa auch nicht ernst nehmen? Rührt „Mein Nachbar Totoro“ dann auch nicht zu Tränen?
Oder das alles schon – weil das alles ja einem auch so gesagt wird womöglich. Über Zeitungen oder das Fernsehen, dass das eben anzusehen (so) sei.

Warum wird immer nur eine Anpassung gefordert? Das finde ich absolut schrecklich.
Ja die meisten Videospiele von heute sind Schrott. Ihre Themen und Welten arg begrenzt. Sie haben oft keine Bedeutung, keine Relevanz für Alltage, Politik, Leben. Sie sprechen in einem gesellschaftlichen Querschnitt viel zu wenige Leute an
Ich wurde hier im Forum (schon)mal von Egozid für verrückt erklärt als ich meinte Videospiele sollten sich endlich mit Themen wie Eheproblemen (verstärkt) beschäftigen. Doch genau das müssen sie tun!
Alte Verse nachahmen brauchen sie hingegen nicht unbedingt. Damit hätten sie doch eigentlich auch nichts zu tun.
Krebs. Armut, Missbrauch, Vergewaltigungen abseits von Illusion Software. Die gibt es (auch) im Heute. Videospiele sagen dazu jedoch für gewöhnlich nichts.
Und sie tun das wahrscheinlich deshalb nicht, weil ein Risiko in Hinblick auf Meinungen eben zu groß wäre welche sich unter „Unterhaltung“ halt etwas ganz anderes vorstellen. Überlassen das anscheinend lieber Serious Games, die sich dann wieder von den Anderen abgrenzen.
Aber so kommen Games nunmal kaum weiter. Weder durch Ghettoisierungen demnach unterhalten werden wollender Mittzwanziger, denen an den Spielen was nicht passt wenn sie mal nachdenken wollen und ansonsten genau das anscheinend eben nicht zu tun pflegen: nachdenken. Wie auch immer das gehen soll – Videospiele zu spielen, auch ein hier gern verworfenes Call of Duty, ohne dabei angestrengt zu denken erscheint mir unmöglich.
Noch über die Ab- und Ausgrenzungen von Serious Games zu „herkömmlichen“ Spielen die ja angeblich „nur Spaß“ machen sollen oder wollen.

Viele schwierige Frauenthemen werden auch überhaupt nicht angesprochen: Geburten, Menstruation – alles Fehlanzeige.
Der „Simon“, der „Budi“, ja womöglich auch ein alter Fuzzi von der Alm oder ein Enkel von Heinz Schenk würden vielleicht gar in Ohnmacht fallen (Figuren von Al St. John ausgenommen).
Fürchterlich: das sollen sie selber tun. Von sich aus. Und dabei brauchen sie auch keineswegs „gefällig“ sein
Es fehlen Leute wie Bergman, Kurosawa, Varda, Almodóvar, Hadzihalilovic im Gaming – nicht einmal einen Woody Allen hat das Gaming noch zusammengebracht. Bloß Keith Apicary. Ein Sinnbild – so witzig der bei Zeiten auch sein mag.

Videospiele sollen ihren eigenen Weg gehen – nicht den welchen ihnen eine Öffentlichkeit vorschreibt. Das hat sowieso noch keine Ausdrucksform vorher gemacht – hier scheint es plötzlich hingegen vielfach der Fall zu sein.
Du meine Güte, wie da bei Extra Credits die Teletubbies als „schlechtes Kinderfernsehen“ beschimpft werden erinnert schon an Manfred Spitzer. Auch die Teletubbies sind nicht das Schlechteste find ich…‘

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