Ein Widerspruch in sich

Die Widersprüchlichkeit einer moralisch sich für überlegen haltenden „Debatte“ um fiktionale Gewaltdarstellungen wird in einem Artikel bei der Kreiszeitung gegenwärtig wieder überdeutlich für mich: ein wohl pädagogisch sein sollendes Stück soll dabei anscheinend über die Gefahr von Gewaltspiralen zur Friedfertigkeit in Richtung gewaltfreier Konfliktlösungen erziehen (sic!).
Die immanente Verlogenheit eines solchen Ansinnens kann so schon in einem einzigen Zitat zwischen zwei Sätzen ersichtlich werden: ‚Ben, der Herrn Baris wegen seiner bosnischen Herkunft beleidigt, hat sich in die Welt der Computerspiele geflüchtet. Man erfährt, dass ihm ein Auge ausgestochen wurde und er deswegen seine Fußballkarriere aufgeben musste und als Zyklop bezeichnet wurde. Zyklopen sind Gestalten in der griechischen Mythologie, die ein Auge haben. Ben denkt sich in die Welt der Computerspiele wie „Counter – Strike“, ist frustriert und sinnt auf Rache. Herr Baris, der im Krieg seine Familie verlor und selbst zur Waffe greifen musste, lehnt solche „Ballerspiele“ grundsätzlich ab. Er kann nicht verstehen, wie man auf Menschen schießen kann.‘
Der reale Mensch MUSSTE zur Waffe greifen in seiner dereinstigen Lebenswirklichkeit, aber der Computerspieler wird in seinen Spielen naturgemäß nur auf Rache sinnen (wollen) – sich nicht etwa mit solchen Lebenswirklichkeiten auseinander setzen wollen, über polizeiliche Titel wie CS, in Fiktionen, über Gewaltarstellungen darin. Der Computerspieler tut in seinen Spielen so offenbar nur Schlechtes, kann dies anscheinend gar nur, weil ja – angeblich – „Gewalt zu Gegengewalt“ führt, einer dem zugrundeliegenden Ideologie der Zurückhaltung nach.
Ja: genau so ist es auch, und deshalb beschäftigen sich auch soviele Computer- und Videospiele damit. Setzen sich genau damit auseinander, führen genau das vor Augen! Völlig egal. Happy Ignorieren. Noch nie gehört. Gibts nicht. WIR spielen so was nicht, und wenn wir schon einmal im Krieg waren erst Recht nicht. WIR haben auch die Nazizeit vielleicht noch erlebt – ja, aber deswegen sich beständig und weiterhin damit noch identifzieren? Ohne Gewalt gegen deren Gewalt hätte es nie eine Befreiung davon gegeben. Auch von Anderem nicht.
Doch wie selbstverständlich wird diese diskriminierend-beleidigende Position einer grenzenlos scheinenden Heuchelei vorgetragen.
Dieser neue Chauvinismus.
Auch kein Gedanke daran wie so mit der kulturellen Herkunft von ComputerspielerInnen umgegangen wird. Kein Deut an Selbstreflexion. Abscheulich und beängstigend.

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Eine Antwort to “Ein Widerspruch in sich”

  1. Kommentar im „Stigma Videospiele“-Forum « Jürgen Mayer Says:

    […] Jürgen Mayer Menschlichkeit +Liebe « Ein Widerspruch in sich […]

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