Die Interessen kranker ComputerspielerInnen verteidigen, oder das undemokratische Menschenbild von Christian Pfeiffer und Co.

In einer Veröffentichung des Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen wird ein „medialer Missbrauch“ wissenschaftlicher Daten beklagt wie er über SPIEGEL ONLINE geschehen sei. Das mag schon sein – ich kann das nicht beurteilen, sehr wohl aber die durchsichtig negativ-beliebige Menschenwahrnehmung auch dieser Veröffentlichung aus der Nutzung- und Wirkungsforschung. Über Daten, von Daten, deren Ermittlung, etc.
Jegliches wissenschaftstheoretische Backing fehlt erneut auch darin – ich kann es jedenfalls beim besten Willen nicht erkennen -, jegliche kritische Selbstreflexion, wenn am Ende versucht wird Ergebnisse doch korrekt(er) zu vermitteln – für eine (deutsche) Öffentlichkeit – wenn es mit Bezug auf die so angegangene SPIEGEL-Veröffentlichung heißt:

„In jedem Fall erschwert dieser wenig besonnene Umgang mit Forschungsdaten den kollegialen Austausch in der Scientific Community und polarisiert unnötig. Dies kann nicht wünschenswert sein, wenn die Leidtragenden solcher Grabenkämpfe am Ende nur die Betroffenen sind, deren Problemlage auf diese Weise bagatellisiert wird. Wir möchten die Autorengruppe um Fritz daher dazu ermutigen, sich für eine angemessene Rezeption ihrer Forschungsdaten stark zu machen und sich einem medialen Missbrauch ihrer Daten entschieden entgegenzustellen.“

Wie zu diesen Forschungsdaten in jedem Fall jedoch überhaupt gelangt worden ist wird nicht hinterfragt. Wie üblich. Ob bei Möller, Mößle, Hinz oder Kunz, wenn Namen mit ihren Zahlen aus „Studien“ sprechen (sollen) und dennoch vielleicht nichts sagen, auch wenn noch soviel damit geredet wird.
Da wird bestenfalls ein bißchen relativiert.
Und das wird ja auch beim Spiegel nicht kritisiert und ein fragwürdiger Umgang damit findet sich ebenfalls auf der anderen Seite, bei Fritz etc. Überall. Darauf baut diese ganze Forschung schließlich auf: auf ein ganz bestimmtes Menschenbild das bei Medien, bei mehr oder weniger offenkundig unliebsamen Ausdruck von Menschen, von einer Wirkung schonmal ausgeht ohne die Ursache nennen zu können. Das was mehr oder weniger so schädlich wäre. Wo sich dies alles befände.

Sowie die immanente Geschichtslosigkeit, gerade in Deutschland, der fahrlässige Umgang mit potentiell menschenverachtenden Maßnahmen gegen Kreative daraus: wenn jemand etwa ein Spiel kreieren würde das demnach womöglich unheimlich „süchtig“ macht. Das ultimative Gift für diese Leute. Wie wäre denn mit so einem Menschen und dessen Werk umzugehen?
Wie verantwortbar und menschlich?
Hat ein solcher Mensch nun ein Gift gebraut oder vielleicht doch bloß in bester Absicht gehandelt. Einfach unterhalten wollen und/oder (vielleicht sogar bewusst😉 ) Kunst schaffen? Ein Feld sportlicher Betätigung?

Es ist der Drang um ein imaginäres Gift.
Und dieser beginnt bereits in der Anlage dessen was überhaupt untersucht wird an Medien – dass eben keine philharmonischen KonzertbesucherInnen „kritisch“ nach ihrer Suchtgefährdung befragt, sich angeschaut werden, etc. Dass das etwa von Haus aus schon weniger giftig oder halt schädlich wäre als populäre Kultur die vielen – anscheinend zu vielen – Menschen gefällt.
Und demnach so krank machen würde.
Mag sie ja auch wirklich tun – doch mit welchen politischen Konsequenzen? Welcher Tatsächlichkeit einer Urgenz solcher Untersuchungen an Menschen?

Man stelle sich Leute wie Kleimann und Co. mit ihren MacBook Pros vor, oder besser eine Gruppe wie die mit Ingrid Möller aus Potsdam, die vor Musikvereinssälen Leute in Maßanzügen danach befragt was sie an diesen Tönen so „fasziniere“. Das passiert ganz einfach nicht. Ist nicht relevant. Geradezu absurd. Interessiert nicht, weil kein ideoligisches Interesse daran vorhanden ist, sondern eben an den „Mord“- und „Verbrechensspielen“ die sich weltweit zigmillionenfach verkaufen. Bis hin zu den bösen, ganz perfiden gar, „Rollenspielsucht“-Titeln welche in ihre persistenten Scheinwelten entführen die auf den ersten Blick so schön bunt und harmlos (sic!) erscheinen – Kinder und Jugendliche ihren Eltern, FreundInnen, Bekannten und Verwandten rauben. BürgerInnen halt – wo gegebenenfalls die Bürgerlichkeit dann auch „gefährdet“ (sic!) ist. Bedroht.
Die gern Erwachsenen in den Musikvereinssälen, welche daraus kommen, funktionieren ja eh – die sind nicht das Problem (sic!) – sondern jene welche der Leistungsgesellschaft demnach abhanden kommen, der Norm, dem Staat so letztlich bloß auf der Tasche liegen (würden). Die windeltragenden WOW-Abhängigen. Ganz genau so wie Heroin-„Junkies“ eben, als „Müllmenschen“ wahrgenommen. Und genau dort liegt auch die Menschenverachtung welche solche Wissenschaft fördert. Die reale Gewalt gegen diese Leben – und keine Gewaltdarstellungen aus menschenverachtend oder gewaltverherrlcihend empfundenen Spielen, deren Unmoral bei Gelegenheit mit angegangen wird. Wenn Jugendverbote noch nicht reichen würden. Strafrechtliche Verfolgung angebracht wäre.

Hinter einer Fülle an Statistiken wird sich versteckt, wobei es eigentlich nur auf eines ankäme – wer oder was sei alles „unauffällig“, „gefährdet“, „abhängig“ oder schließlich von „Suchtartigem Spielen“ betroffen. Ab wann wird „aufgefallen“, fällt man auf? Und in welcher Hinsicht?

Wo ist der Leidensdruck? Fehlanzeige. Dieser mag ja auch vielfach vorhanden sein – doch wie wird er wiederum ermittelt? Wie werden Menschen so angesehen?
Schweigen.

Was spräche denn auch dagegen anstatt in gewöhnliche Arbeit nach Azeroth zu gehen? Aus medizinischer Sicht. Was für eine Medizin wäre das welche da so schnell dagegen spräche?
Für die welche es sich leisten könnten.
Ab wievielen Stunden Bildschirmtätigkeit wird andere Berufung als krankhaft angesehen. Ab wann wäre ein anderer Beruf so pathologisch. Wo beginnt das Pathologische in anderer Tätigkeit? Mir scheint: doch wesentlich später.

Ich habe im Grunde nichts gegen diese Forschung: man soll soviel Forschen wie man möchte in diese Richtung, auch ordentlich Gelder dafür zur Verfügung stellen. Und ich halte diese Forschung auch für sehr wichtig.
Computerspielsucht ist ein fürchterliches Problem. Das sehe ich genauso. Sie kann (Familien-)Leben massiv beeinträchtigen, wenn schon nicht kaputt machen. Und klarerweise können Medien auch Gewaltverbrechen begünstigen – dazu animieren Anderen Leid zuzufügen. Das kann aber auch jede Kränkung an Arbeitsplätzen sozusagen „leisten“ (sic!). Jede Form der Diskriminierung – auch eine wie sie hier vorliegt, wenn MediennutzerInnen so bestimmt angesehen werden.
Wenn Fremde, und das Fremde beginnt immer in jedem Anderen, demnach über ihre Interessen, ihren Geschmack und Empfinden negativ angesehen werden – und das müssen sie, weil es zu Anderem keine ähnlich gelagerten Untersuchungen eben gibt. Weil diese Leben(sweisen), Lebensführungen, mechanistischen Vorstellungen zufolge als funktionierende(re) Wesen auch als weniger problematisch angesehen werden.

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Eine Antwort to “Die Interessen kranker ComputerspielerInnen verteidigen, oder das undemokratische Menschenbild von Christian Pfeiffer und Co.”

  1. Kommentar im „Stigma Videospiele“-Forum « Menschlichkeit +Liebe Says:

    […] Menschlichkeit +Liebe Gaming, Kultur und Politik der Fantasie « Die Interessen kranker ComputerspielerInnen verteidigen, oder das undemokratische Menschenbild von C… […]

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