Solidarität und Aufklärung

Weitere „Müllmann“-Kommentare beim Standard. Zunächst: ‚Wenn diese „Pornografie“ nicht mehr unanständig wäre, sondern etwa ein Stottern oder auch eine Behinderung wie ich sie habe – dann frage ich mich ernsthaft weshalb ständig dagegengeredet wird. ODER auf Seiten wie „YouPorn“ verwiesen – da könnte
gleich gut das Bild aus einem beliebigen Werbespot gezeigt werden und gesagt das wäre Film.
Oder eine Anzeige neben diesem Artikel und gesagt das wäre Literatur: das einzige was dort vorderhand geboten wird ist nämlich Werbung. Obwohl es so viel engagierten sexuellen Ausdruck doch gibt. Auch von Männern.
Als Jemand der De Sade schon oft gelesen hat kann ich mich über diese Verquickungen im Übrigen bloß wundern: De Sade hat zumindest im Endstadium wohl kaum etwas mit Erotik zu tun, sondern stellt eine zunehmend simpler werdende Aneinanderreihung von komplizierten Verbrechen, Aufwürfen und dem verzweifelten Drang, einer regelrechten Sucht nach Entladungen sprich Ejakulationen dar. Pathetisch und Empathie erzeugend – jedenfalls bei mir…‘

Nachtrag: offenbar soll durch solche Artikel eine Auseinandersetzungsbereitschaft signalisiert werden doch letzten Endes genau das dann doch nicht erfolgen. Sondern eben bloße Verächtlichmachung bei gleichzeitig zumindest vorgetragener Alternative zwischen zwei Buchdeckeln. Das wäre dann auch eine bilderfeindliche Alternative welche anscheinend noch genehm wäre.
So absurd bis lächerlich dieses Ansinnen auch sein mag: De Sade kann wenn dann bloß literarischen Ansprüchen genügen, aber wohl kaum „Pornografischem“ wenn es darum geht sexuellen Ausdruck in audiovisueller Form zu sehen – genau so wenig wie ein Drehbuch filmischen Ansprüchen genügen kann. Aber das soll eben so wohl auch unterdrückt werden. Genau diese Ansprüche, und deshalb ist dann auch etwas wie „YouPorn“ synonym für alle Internet-„Pornografie“.
Der Endpunkt wohl auch von allem was dereinst vor vierzig Jahren auf Zelluloid begann – wie konventionell-bürgerlich den ersten Billian-Loops zum Beispiel. Und auch später in dessen frühen Langfilmen: dramaturgisch als Komödien nicht viel anders angelegt als das was heute ohne alles Unanständige immer noch Gang und Gebe ist – als hiesiger Humor – und er kam ja ursprünglich auch aus dieser Filmwelt die heute für „Familienunterhaltung“ bekanntlich sorgt.
Des weiteren halt auch jenseits von Sexshops, wo eine Nähe zum Verbrechen bei der angedachten Problematik so bereits offenbar fest(er) stünde. Mit anderen expliziten Ausdruck braucht sich dann vermeintlich erst gar nicht beschäftigt werden, wenn sich bereits so abgegrenzt wird.
Demnach regieren durch solche Texte weiterhin bloß Hass und Ausgrenzung gegenüber „Pornografie“ – eine Geringschätzung welche ich in einem sich zumindest doch intellektuell aufgeklärt auch gebendem deutschsprachigen Raum für international zuehmend beispiellos(er) halte. Da reichen ein paar Schlagwörter um sich deutlich aufgeschlossenere fremdsprachige Artikel zu ergooglen – wie etwa hier bei der New York Times. Ansonsten auf Deutsch: Fehlanzeige. Ob von den klassischen Künsten wie den Fotografien eines Roy Stuart bis eben zu diesen publikumswirksamen BDSM-Geschichten im Armory von Frisco. Als große, international bekanntere Eckpfeiler.
Ohne hier ein weiteres Mal zu diesem Standard-Artikel zu verlinken: es reicht bekanntlich ein Wertham in der Albertina schon, dass auf die Barrikaden gestiegen wird. Bloß gut, dass Der Ursprung der Welt in keinem Wiener Museum zu Hause ist – kaum ein Sicherheitsmensch allein würde so wohl ausreichen um diesen zu bewachen…
Gerade die Internetpornografie hat in den letzten fünfzehn Jahren keineswegs nur für eine Vervielfachung von gelangweilten bis ausbeuterischen Content gesorgt, sondern durchaus ganz viel Anderes gebracht, wenn es denn (so) auch gesehen werden will, wahrgenommen, wenn sich mit diesen Inhalten denn (öffentlich) auseinander gesetzt werden möchte, sowie darüber hinaus zu einer ungeheuren Diversifizierung und Vielfalt geführt. Solche Artikel tragen dabei bloß zur Ausbeutung und Unterdrückung etwas bei – können gar nichts anderes – wenn Instinkt-Orientiertes nur mit Verwerflichkeiten in Verbindung gebracht wird. Eine aus meiner Sicht demokratische Bewegung welcher sich in einem postindustriellem Hier und Jetzt demnach jedoch lediglich verschlossen wird kann so bloß verhindert bleiben – gehindert daran sich zu entfalten. Sei es über einen wie auch immer geprägten Konservativismus oder Anti-Konsumerismus. Zwanghaft und real gewalttätig darüber (fremd)bestimmend.

Sowie indirekt mal wieder ein Kommentar von mir zum Verhältnis zwischen katholischer Soziallehre und attac, einmal mehr als überzeugter aber halt differenzierter Katholik: ‚Die Frage ist aus meiner Sicht eher welche Vorstellung von „Kultivierung“ wenn schon nicht Verbrechen, so wenigstens Ab- und Ausgrenzungen begünstigt. Diese Menschenverachtung (allein). Welche Idee von Zivilisation oder Zivilisiertheit? Dazu gehört
auch wie etwa gerade mit einem Hinweis auf „Menschenwürde“ gegen andere Menschen und deren Ausdruck zum Beispiel vorgegangen wird – in Fantasien eingedrungen. Mit welchem Recht?
Dabei teile ich nicht den Realismus des Autors. Wo ist so noch Anderes möglich – was soll das Gemeinsame demnach überhaupt sein und wogegen wird sich demnach alles gewehrt? Im Öffentlich-Rechtlichen scheint Denken vielfach überhaupt synonym mit Vorgaben aus der Religionsredaktion zu sein, wozu offenbar vor allem Auftritte des Wiener Kardinals zählen. Personalisiert. Auch an diesem letzten Wochenende wieder: beim Halb-Boulevard aus dem Süden war in Zusammenhang mit diesem etwas vom „Kindheitsglauben Atheismus“ eines rechtsrechten Wendephilosophen zu lesen, usw…‘

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