Bitte einmal wenigstens „Mad Men“ anschauen!

Jörg Luibl rittert bei seiner Rezension von „L.A. Noire“ um den dümmsten Vergleich von dem ich je gehört habe.
Im Kommentar zum Text der wohl besser wirklich nur als „Test“ durchgehen sollte heißt es (unter anderem), dass „bei all der zeitgeschichtlichen Recherche … die Entwickler die Dramaturgie und vor allem den Anspruch vergessen“ hätten. Was versteht der Mensch unter „Dramaturgie“ und/oder „Anspruch“: „Man würde viel lieber mit Spannung im Nacken ermitteln oder anspruchsvolle Kriminalrätsel lösen als nach spätestens vier Stunden immer wieder gelangweilt zu werden, weil der Hauptcharakter wie ein beliebiger CSI-Agent wirkt, weil sich das Spielprinzip in monotonen Schleifen wiederholt, weil…“ C. S. I.? Den Gedanken empfinde ich dermaßen abwegig – so als ob jemand bei einem Arnold-Schönberg-Konzert an „Deutschland sucht den Superstar“ erinnert wird.
Ich glaube ja nicht, dass dort tatsächlich nicht das Spielprinzip oder dessen Linearität nicht zusagt, sondern eher die vielen heißen Eisen welche inhaltlich in dem Spiel angepackt werden und mit denen man halt so doch lieber nicht konfrontiert werden möchte. In einem Videospiel das man immer noch als Produkt testet.
Ich glaube auch nicht, dass die schauspielerischen Leistungen welche einem in „L.A. Noire“ dargeboten werden so auch nur ansatzweise gewürdigt werden können.
Wenn schon Flughafenmassaker nicht eingeordnet werden können, so erscheinen neue Formen von Dramaturgien in Videospielen sogleich (unbegründet) abgeurteilt zu werden. Cole Phelps scheint mir eher der komplexeste, vielschichtigste und ambivalenteste Player Character zu sein welche die Videospielwelt je gesehen hat – er wirkt zerbrechlich, irritiert, bereits längst desillusioniert, und, ganz neu bei Games, dem Spieler, der Spielerin, im Kopf schon längst immer mindestens einen Schritt voraus.

Man mag zwar (auch) andere Inhalte in Games fordern, doch wenn diese dann kommen kann man erst nichts damit anfangen. Bei einem Denken an „CSI“ für mich kein Wunder: das alles wäre ja auch kein Problem, wenn man dann jedoch offenbar nicht noch meinen würde man könnte das Ganze (trotzdem) „testen“…

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