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Zum „Beispiel“ ein „zu sprechen. Nein zu sagen“ – protestierender Kommentar bei Michael Schulze von Glaßer

21. Juni 2011

Zu Artikel über „Ghost Recon Future Soldier“ auf Militainment.info: ‚Und weshalb sollte die Welt „dadurch jedenfalls nicht“ friedlicher werden?
Wo passiert denn tatsächlich „Krieg und Militär“ in diesen Spielen?
Warum sollten Menschen wie ich welche solche Spiele jedenfalls grundsätzlich schätzen Militär überhaupt in ihren Lebenswirklichkeiten haben wollen? Oder gar Krieg?
Leider finde ich die künstlerische Neuausrichtung von „Future Soldier“ gegenüber der Vorstellung auf der E3 im letzten Jahr ja fürchterlich – dennoch: ich würde mir sogar mehr Integrationen von Leid, wie etwa durch Kriegsverbrechen verursacht, bei den Gewaltdarstellungen in Videospielen wünschen. Das ja auch für wichtig halten – eine Auseinandersetzung damit – und ja ich schätze Videospiele allgemein vor allem da sie sich als Ausdrucksform diesen Themen bislang jedenfalls noch nie verschlossen haben – vielleicht auch doch einem öffentlichen Druck dabei stand gehalten -, was soll daran ebenfalls verwerflich sein?

Woher kommen bloß all diese Anmaßungen und Unterschätzungen?
Wieso sollte das kein akzeptabler, ja sogar wünschenswerter Umgang damit sein? Bloß weil Ihnen und Anderen so das nicht gefällt?
Ich urteile auch nicht darüber was Ihnen womöglich behagt. Was Sie gut finden: so habe ich etwa eigentlich tiefen Respekt vor einer Friedensbewegung, selbst wenn ich noch in meinem persönlichen Alltag über sie wie hier scheinbar dermaßen angegriffen werde, auch wenn mir ihre Ziele vielfach fragwürdig und nicht erstrebenswert erscheinen. Ich möchte jedenfalls eigentlich nichts Negatives über die Absicht sagen Frieden haben zu wollen – das verbietet mir zum Beispiel auch mein Glauben: selbst wenn ich der Meinung bin, dass so wie hier über das positive Wort „Frieden“ eher ein Hass auf Militär und SoldatInnen aufgebaut werden soll, den ich so wie jede Menschenverachtung nur abscheulich finden und verurteilen kann.

Nicht jeder Mensch möchte sich für etwas besseres halten, für überlegen gegenüber „Krieg und Militär“ und sich damit die Hände nicht schmutzig machen.
Kulturelle Sauberkeitsvorstellungen sind nunmal nicht jedes Menschen Sache. Aus meiner Sicht glücklicherweise nicht, denn dabei bestünde eigentlich auch eine historische Verantwortung dem Ausdruck anderer Menschen in dieser Hinsicht gegenüber. Dessen was alles womöglich doch (noch auch) respektabel wäre – nicht einmal offenbar akzeptabel für viele Millionen, deren gewählte Unterhaltungsform anscheinend schon breitenwirksam so für gering geschätzt wird: hier mangelt es hingegen offensichtlich bereits am kleinsten Funken an Toleranz.

Undenkbar, dass wie in der letzten Woche in den USA, ein „Battlefield 3“ oder „Modern Warfare 3“ im öffentlich-rechtlichen Fernsehen Deutschlands im Rahmen einer Sendung wie von Thomas Gottschalk oder Harald Schmidt moderiert lobend vorgestellt wird. Völlig undenkbar.

Vielleicht meinen Sie, dass ich den deutschsprachigen Raum halt besser verlassen sollte wenn mir Ihr (aus meiner Sicht noch wesentlich weitergehender) politischer Aktionismus nicht gefällt: da muss ich Ihnen sagen, dass ich das schon längst getan hätte – leider hindert mich eine schwere körperliche Behinderung daran und ohne Hilfe schaffe ich es etwa nicht einmal auf allen Vieren bis zur nächsten Ortstafel.
Das mag Sie jedoch alles auch nicht kümmern…

Rassismus, das zeigen mir Ihre Ausführungen jedes Mal aufs Neue, hat keineswegs unbedingt mit Hautfarben, (sozialer) Herkunft, Geschlecht, Krankheit oder Behinderung zu tun – das wäre aus meiner Sicht in jedem Fall eine eklatant verharmlosende Verkürzung eines solchen Begriffs angesichts der Vorgänge wie zum Beispiel hier gegen „Militainment“ -, sondern kann eben schon, sowie nachdrücklich beim Geschmack und Empfinden eines jeden fremden Gegenübers beginnen. Dessen Wahrnehmungen und Rezeptionen, Interpretationen darin: denn auch ich habe als Mensch ein Recht auf meine eigene Kultur – und muss mich Ihren kulturellen Vorstellungen, derlei Normen, solcher nur allzu realer Gewalt wie Sie sie hier für mich jedenfalls zelebrieren, auf alle Fälle NICHT beugen. Ich möchte Krieg, Waffen und Gewalt in Medien, sowie vieles andere Negative auch, nicht ausgeblendet wissen, weggesehen, die Paste einer eingebildet-vorgeblichen „Zivilisation“ darüber gelegt. Deren Angaben wie vermeintlich „Gutes“, „Schönes“ oder die Affektiertheit und Arroganz ernster Zurückhaltung. Nein: das möchte ich ausdrücklich nicht.

Theoretisch UND moralisch. Praktisch sieht das leider ganz anders aus, obwohl es in meinem Land Österreich ein strafrechtlich relevantes Gesetz gegen Verhetzung und in Deutschland eines gegen Beleidigung gibt.
Denn Menschen wie ich sind gegen die Verachtung und ungeheuerliche Brutalität welche ihnen hier auf diesem Blog etwa entgegen schlägt nicht nur hilflos, sondern auch machtlos und können sich ohne Mittel etwa nicht einmal dagegen wehren. Es gibt hierzulande praktisch keine einzige Organisation welche ihre und damit auch meine Interessen so schützen würde: ja leider auch die hier so oft angegriffene Industrie tut das nicht. Die kümmert sich so überhaupt nicht um uns, sondern biedert sich auch in diesen Fragen lieber dem Staat an. Dasselbe mit der Medienpädagogik, anderer systematischer Medienwissenschaft etc. In Deutschland betrifft das absurder Weise sogar vielfach noch dazu die Spiele-Presse. Da sind meinem Vernehmen nach viele auch nur am Abstecken ihrer eigenen Einflussgebiete, Profilierungen etc. interessiert. Daran dass sie möglichst „gut“ dastehen.

Wir stehen leider nicht unter Schutz der sie so vor Verhetzung und Beleidigung, Verunglimpfungen, schützen würde wie das etwa mein Wunsch wäre.
Das ist für uns, die sich gern mit solchen Videospielen beschäftigenden Menschen wie mich, nicht vorgesehen. Das geniessen wir leider nicht und wir müssen demnach Ihre Drangsalierungen schon erdulden und ertragen. Das was Sie euphemistisch vielleicht noch bloß als „Kritik“ begreifen. Tagtäglich aufs Neue nach diesen geistigen Schlägen alle die andere Wange hinhalten.

Manchen gefällt das vielleicht: mir nicht. Manche wollen auch insgeheim zumindest ein Gewaltdarstellungsverbot haben, ergehen sich in diesem kulturellen Normdenken, freuen sich vielleicht noch über alle möglichen Regulierungen, Zensur, wollen Schwarze Listen so überall haben – verstehen das auch als „Jugendschutz“: ich nicht. Ich verstehe unter Jugendschutz wie Medienfreiheit etwas Anderes. Etwas ganz Anderes. Tatsächlich Freiheit über Fiktionen, sofern sie keine realen Persönlichkeitsrechte verletzt, also etwa vollständig bei fiktionalen Personen. Fiktionen die hier offenbar nur allzu gern mit politischer Propaganda verwechselt werden.

Weil es offensichtlich nicht im Gefühl liegt da verantwortungsbewusster mit dem was Kreative konsensual geschaffen haben und anderen Menschen gefällt umzugehen – etwas das ich mit meinem Gewissen niemals vereinbaren könnte. Und Gewissensfreiheit ist, wie Sie zumindest hoffentlich wissen, ein Menschenrecht.
Sie mögen womöglich gar noch die Willensfreiheit angreifen, aber ich muss auch nicht an die Willensfreiheit glauben um zu wissen was ich wünsche, was mir gefällt – und das berechtigt. Die Handlungen eines „Call of Duty“ zum Beispiel. Nicht als (Gedanken-)Verbrechen. Oder Opfer irgendwelch konspirativ gedachter Interessen von (Rüstungs-)Konzernen, sondern als denkender und fühlender, ja auch einfülsamer, empathischer Mensch!

Sie schalten diesen Kommentar wahrscheinlich nicht einmal frei, obwohl es das Einzige ist was ich zum Beispiel so tun kann um mich als unmittelbar Angegriffenen zu wehren. Wenigstens meine singuläre Stimme dagegen erheben. Ein zu sprechen. Nein zu sagen – das stimmt alles nicht wie wir Menschen und unsere Ausdrucksformen hier so hingestellt werden. Ich bin kein Kriegslüsterner, halte mich für keinen unmoralischen Menschen, und Videospielen bedeutet für mich immer moralisch zu handeln. Und Frieden liegt mir dabei zumindest annäherungsweise ebenso am Herzen wie Anderen auch. IMMER: gerade in Titeln wie „Call of Duty“. Nicht schweigen müssend, nein besser nicht schweigen können wollend oder noch besser nicht schweigen dürfend: wenn ich den Eindruck habe, dass hier auch für Andere gedacht Unrecht zu Recht werden soll. Und demnach Widerstand für mich zur Pflicht, einer ethischen Aufgabe und persönlichen Verpflichtung. Frei nach Berthold Brecht.‘

Damit schließe ich (auch) diesen Blog und werde in Zukunft woanders weitermachen.
Ich verabschiede mich so auch bei meinen Freunden auf Paperblog. Es war mir eine Ehre!

Update 23. Juni: ‚Ich habe Ihnen vorgestern erklären wollen wie verletzend ich Ihre Ansinnen hier finde, oder auch analog die von Herrn Bürger – mit dessen Pamphleten über etwa „schmutzige Kriegsabenteuer“ ich mich bereits vor Jahren auseinander gesetzt habe, womöglich bevor er noch den Kölner Aufruf zumindest mit unterzeichnet hat und das später bei Heise jedenfalls teilweise wieder kritisch sehen wollte -, und finde es zwar schön, dass Sie Menschen wie mich hier auch so zu Wort kommen lassen wollen, doch muss ich halt ebenfalls feststellen, dass es offensichtlich verhallt was ich und vermutlich auch Andere Ihnen vielleicht wenigstens versuchen entgegen zu halten.
Mit auf den Weg zu geben, mitzuteilen, zu sagen.

Ja, wenn man fremden Menschen, so wie Sie indirekt mir, dermaßen einen Willen zu Krieg oder Gewalt, wenn auch nur medial, unterstellt, dann sollte man sich aus meiner Sicht nicht wundern, wenn das mitunter persönlich genommen wird – zum Beispiel bei eben den vielen Millionen Call-of-Duty-SpielerInnen, wovon ich auch einer bin.

Es spielt aus meiner Sicht überhaupt keine Rolle ob da nun(mehr) etwas Ihrer Meinung nach dezidiert „verboten“ werden soll oder nicht, wobei es sowieso fraglich ist was da jeweils alles schon unter einem „Verbot“ sich bloß vorgestellt wird – das Problem beginnt, jedenfalls für Menschen wie mich, wesentlich früher: Sie sprechen etwa von „Verzicht auf Gewalt“ welcher von innen heraus geschehen soll.
Doch gerade das nehme ich zum Beispiel als „Gewalt“ wahr: dass anderen Menschen gesagt wird wie Sie sich für ein friedliches Miteinander künstlerisch betätigen, kreativ sein, ausdrücken sollen, und wie nicht. Und das besonders problematisch noch in Fiktionen, denen Sie oder Herr Bürger über einen gewissen Realismus vielleicht propagandistische Qualitäten unterstellen. Zusätzlich noch zu Gewaltdarstellungen als „Gewalt“…

Was bei meinem Landsmann Michael Haneke der angebliche Zynismus eines Tarantino ist, wenn im Kino Gewalt „konsumierbar“ gemacht werden soll, beginnt bei Bürger in seiner „Bildermaschine für den Krieg“ ja eigentlich schon in doch eher abstrakten Explosionen. Haneke braucht dabei auch nicht dazusagen, dass er Tarantino „verboten“ sehen will. Das wäre aus meiner Sicht auch zusehends irrelevant(er). Noch dazu einigermaßen absurd und lächerlich wie ich finde, weil auch einige von dessen eigenen Arbeiten vielfach so negativ aufgefasst werden.
Bei Bürger ist eine Explosion im Kino – etwa in einem Rob-Cohen-Film von 2005 – meiner Einschätzung nach zumindest teilweise nach bereits ein Teil von Rüstung. Ein Fall für Abrüstung. Und schon kein Spaß (mehr)

Das wird alles auch nicht als Interpretation oder Rezension vorgestellt, sondern tatsächlich als Fakten: jede aus meiner Sicht schier notwendige Zusammenarbeit mit Militär zum Beispiel für authentische Bilder, welche mitunter auch günstig sein können, schaffen dann gleich „Bilder für den Krieg“. Und das wird auch überhaupt nicht hinterfragt. Dieses aus meiner Sicht schlichte Vorurteil wird völlig unkritisch verfolgt.
Herr Bürger mag zwar Gewaltdarstellungen als Mahnungen, ähnlich wie Haneke, einräumen, wenn die Gewalt dabei wie Haneke sagt als nicht konsumierbar dargestellt wird, diffamiert wird, das kann für mich jedoch bloß in Überlegenheitsdünkel, Arroganz und (moralischen) Chauvinismus enden.
Mir geht es wie Eli Roth darum einen Umgang mit Gewalt herzustellen, durchaus auch über eine Freude an Gewaltdarstellungen, Spaß an Gewalt wie zum Beispiel in Videospielen. Nicht auch, sondern eher nur so kann einem Schrecken von Gewalt begegnet werden – nicht durch andere Gewalt welche über das Denken und den Ausdruck der Menschen bestimmen will, ob über Verbote oder halt anders, sondern durch Überhöhungen, Ironisierungen oder Verlagerungen. Nicht durch Überzeugungen und/oder solche Missionsarbeit. Moralischem Aposteltum.

Dabei können die Videospiele für mich Gewalt zwar auch ernsthaft transportieren, (melo)dramatisch bedrückend, tragisch, und ich habe auch schon sehr oft in Videospielen geweint, aber ich weiß, dass es zum Beispiel viele Leute gibt die daran nicht glauben. Das nicht so empfinden. Und das muss ich für mich so auch berücksichtigen.

Wie viele Inhalte von Videospielen so ein Denken wie es zum Beispiel Bürger aus meiner Sicht traditionell vorstellig macht unmittelbar betreffen würde lässt sich für mich dabei gar nicht abschätzen, denn wie auch Jürgen Fritz einmal festgestellt hat gibt es kaum Videospiele in denen keine Gewalt vorkommt. Die kein „Gewaltspiel“ wären. Worin etwas nicht weggenommen wird – verschwindet, irgendwie explodiert. Bis hin zu Tetris. Auch wenn man das in Deutschland über die USK zum Beispiel bei abstrahierteren Darstellungen scheinbar leugnen möchte: vielleicht sehen Sie oder Herr Bürger die Gewalt und den Krieg dort ja auch nicht. Oder ist Ihnen wie dem Spiegel Massenvernichtung in Abstraktionen wie „Defcon“ auch noch ideologisch genehm(er), weil es am Ende keinen eindeutigen Sieg gibt. Und man das als „Lehre“ ja auch immer verbreiten möchte, verkaufen so nach dem Motto, dass sich Gewalt angeblich nicht auszahlen würde…

Für mich ist das eher eine Leere, denn das ganze Leben besteht für mich mitunter aus Kampf und Gewalt: von der Geburt über Unwetter bis zum Tod, wenn – frei nach Thomas Bernhard – die Maden einem gewalttätig bespringen.
Was Sie darunter verstehen ist anscheinend jedoch stets Anderen Schaden zuzufügen. Und gerade das finde ich so verletzend: wenn ich einem Anderen in Call of Duty in den Kopf schiesse ist das möglicherweise „nur“ Sport, ein bei meinen Fähigkeiten glückliches Gelingen, reflektiere ich vielleicht aber auch über meine Stellung in der Welt, und ja: ebenfalls die Kriege welche es gibt. Doch was ich sicher nicht tue ist den deswegen real umbringen wollen. Oder dessen Mord so zu für real simulieren – auf die Idee käme ich gar nicht – gleich wenig wie ein Schauspieler, der auf einer Bühne einen Kollegen mit Platzpatrone erschiesst und beim theatralisch Getroffenen anschliessend Theaterblut fliesst den umbringen wollte. Oder ein Umbringen für später auf der Strasse eingeübt hat.
Und der bekommt dafür gar keine Punkte gutgeschrieben, vielleicht höchstens eine Gage ausbezahlt…

Ich halte Videospiele so vielfach für demokratisiertes Theaterspielen. Die Stücke welche aufgeführt werden mögen Ihnen bloß nicht gefallen.

In den so beliebten Team-Deathmatches von „Call of Duty: Black Ops“ geht es nicht darum möglichst viele Leute umzubringen, „völkerrechtswidrige Kriege“ vorzubereiten oder zu legitimieren, sondern darum wer als Erstes 7.500 Punkte erreicht.

Im Unterschied zu etwas wie Völkerball, das ich persönlich nicht gut kenne, gibt es etwa bloß einen Bezug zu Zeitgeschehen der als Krieg und Mord, Umbringen erscheint. Und gerade den finde ich auch gut so: weshalb sollten sich Menschen so auch nicht mit ihrer Zeit beschäftigen – das frage ich mich…
Manchen sind vielleicht Beziehungskonflikte lieber, halten diese auch für „reifer“: Schlachtfelder wie Ehen, ja. Ich halte diese jedoch vielfach auch bloß für StellvertreterInnenkriege…
Ich denke darüber hinaus auch nicht so bürgerlich – in solchen Kategorien: bin kein bürgerlicher Mensch.
Ich habe auch einen sehr proletarischen Hintergrund. Und wie es hier schon Anklang nehme ich zum Beispiel auch äußerst ungut wahr, dass besonders viel Hass gegen Videospiele und andere unliebsame, offensivere Ausdrucksformen aus der Nähe eines sozialdemokratischen bis sozialistischen, linken Bildungsbürgertums geschürt wird. Also gerade von dort wo oft geglaubt wird, dass dort eigentlich häufig wirklich ein Fortschritt zu Hause sein sollte. Stattdessen ist es so jedoch die Repression, wenn schon nicht Reaktion und autoritäres Denken. Wo so über das Leben anderer Menschen illiberal bestimmt werden möchte. Nicht bloß aus der Schweiz. Im Sinne eines eher kollektiven als individuellen Freiheitsgedankens, von Normen, der sich dann vielleicht noch mit einem entsprechenden Christentum verbindet. Als kritischer Katholik weiß ich leider nur allzu gut, wie kompatibel eine nicht unproblematische katholische Soziallehre mit den ganzen „globalisierungskritischen“ Anliegen dabei auch sein kann.

Auch in Tetris oder Fußball gibt es für mich zum Beispiel Gewalt. Ich sehe den Kampf mit den Blöcken in Tetris sehr wohl, und sehe auch, dass im Fußball Tore geschossen (sic!) werden.
Eine der größten Leistungen von „Battlefield“, „Call of Duty“ und Co. ist für mich dabei gerade, dass sie diese Gewalt sichtbar machen: wenn im Fußball ein Stürmer kräftig ins Tor schießt jubeln die Leute.
Ich leide an der Glasknochenkrankheit: wäre ich zwischen dem Ball und dem Tor gestanden wäre ich vielleicht tot. Das wäre für Leute wie mich unter Umständen auch nicht viel anders als das ballistische Projektil aus einer Schusswaffe. Jubeln die Leute dann auch noch? Eher nicht.

Und so ist Fußball genau soviel oder sowenig Zivilisation wie Call of Duty für mich. Ich spiele auch gern Video-Fußballspiele, sehe aber eben auch, dass das so einiges verschweigt, kaschiert, beschönigt. Also Call of Duty halte ich im Zweifelsfall schon für wertvoller, wesentlicher und wichtiger als die gefälligen Abstraktionen von Fußball.

Ich hab auch noch von keinen realen Gewaltausbrüchen auf LAN-Parties gehört, im Gegensatz zu Fußballspielen. Und ja: also auch Fußballspiele sind für mich immer Fiktionen von Kriegen.

Meine sehr geschätzte Landsfrau, die Literatur-Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek, mit der ich sicher auch nicht überall einer Meinung bin – besonders dann nicht wenn es um manch einen sexuellen Ausdruck gehen wird -, hat das problematische Verhältnis zwischen Sport und Militär bereits ebenfalls populär beschrieben. Viele weniger populäre Sportarten stehen hier in Österreich auch unmittelbar mit dem hiesigen Bundesheer in Verbindung. Das Heer fördert diese so, ermöglicht vielen SportlerInnen Gelegenheiten, und das find ich auch gut so.
Doch man kann sicher sagen: ich mag das alles nicht, weder Sportverein noch Heer, das braucht es meinetwegen alles nicht zu geben, ja. Aber anderen vorwerfen dass es das gibt? Was soll das für eine „Kritik“ sein – für mich jedenfalls keine welche wesentlich anders gelagert ist als gegebenenfalls eine an Hautfarben.

Wenn das Leben von Menschen selbst schon nicht angegriffen wird, und das scheint gerade in Deutschland ein fragwürdiger Maßstab der Empörung zu sein, Bezugnahmen zu Rassismus etc. findet man so erfahrungsgemäß immer gleich „ungeheuerlich verharmlosend“, dann ist es immerhin eines das sich in das Leben der Anderen einmischt. Alltags- und Kulturfaschismus für mich. Oder zumindest Illiberalität. Auch ganz ohne dezidierte (weitergehende) Verbotsforderungen. Und zwar in Leben die sich ansonsten ungestört vielleicht wohler fühlten – wo tatsächlich Konsens über Fußball, Battlefield oder Call of Duty herrscht. Wo man sich einig ist, dass man das eine oder andere gut findet.

Und dagegen nichts zu haben, das finde ich ungeheuerlich verharmlosend.

Ich habe Verständnis, wenn politischer Extremismus dadurch eingedämmt werden soll – doch frage ich mich ernsthaft wo der hier zu finden wäre: so nehme ich gerade „Modern Warfare“ als politisch ziemlich korrekt wahr, und halte ich gerade deshalb auch für einigermaßen uninteressant – eindeutige Feindbilder werden dort, wenn überhaupt, zum Beispiel eher bloß im Inneren gesucht und gefunden. In den eigenen Reihen. Absolut Hollywood-kompatibel – wo man, aus meiner Sicht leider, ja auch eher versucht Ungemach, Unbequemheit, aus dem Weg zu gehen.
Zwar leistet „Modern Warfare“ wenn man so will Kriegszustände etwa vom fernen „Hindukusch“, anscheinend ein Lieblingswort hier, vor diverse westliche Haustüren zu bringen, und somit schon auf etwas aufmerksam zu machen was alles schief läuft auf der Welt, oder halt schief laufen kann, doch das wars mehr oder weniger auch schon.
Über den Zustand einer Welt sagt „Modern Warfare“ nur wenig

„Medal of Honor“ und vor allem „Homefront“ finde ich da schon spannender, weil im Letzteren John Milius offensichtlich auch auf gewisse Fehlentwicklungen aufmerksam machen wollte. Den (US-)Immobilienmarkt oder die Energiekrise. Wenn man sich zum Beispiel zu sehr von Erdöl abhängig gemacht hat und zu wenig auf andere, erneuerbare Energien gesetzt.
Im Vorgänger „Frontlines“ wurde das ja auch bereits angedeutet.
Ideologisch behagen wird Ihnen oder Herrn Bürger das wahrscheinlich jedoch alles nicht, und ich bin darüber auch sehr froh: Milius gilt in Deutschland sowieso schon als Inbegriff einer amerikanischen Reaktion.

Sie schreiben so ja nämlich schon vor was dabei jeweils „gut“ und „schön“ wäre, was von Ihnen zum Beispiel so Beifall bekäme, etwa welche „Kritik“, und was nicht – ja womöglich ohne es zu merken…

Sie empören sich scheinbar über das Zählen von Kopfschüssen oder anderen Auszeichnungen und fragen sich offensichtlich nicht einmal wie das anders gemeint sein könnte als affirmativ. Wenn sich Menschen etwa gegenseitig freiwillig und gern virtuell „bekriegen“. Sie versuchen es offenbar nicht einmal zu verstehen, sondern bleiben bei der „Gewalt“ sozusagen hängen. Sie sehen scheinbar nur die „Gewalt“ oder den „Krieg“. Und übertragen das dann auf Lebenswirklichkeiten.
Was „Krieg“ oder „Gewalt“ dort für gewöhnlich heißt.

Wie und weshalb sich Kreative das ausgedacht haben, welche Intention verfolgend, Absichten, geschweige denn welche Bedeutung(en) das alles in Spielen auch haben könnte – all das wird sich dabei nicht gefragt. Dass viele Trophies mitunter ironisch gemeint sein könnten, als Ausdruck eines gewissen schwarzen Humors, den sie vielleicht dann halt auch wieder nicht teilen. Für zynisch befinden, erneut kein Gedanke…
Gefällig wäre da nur Zurückhaltung. Doch gerade die möchte ich in meiner (sic!) Kultur nicht haben. Ich glaube auch nicht an „die Kultur“. Gegen den bloßen Gedanken daran sträube ich mich, empfinde ich als Gewalt, als Unwertsurteil. In meiner Kultur hat Negatives jeden Platz. Ja für mich ist Krieg und Gewalt auch niemals etwas Positives, doch möchte ich diese auch nicht ausgeblendet wissen, keine Auseinandersetzung damit missen: dadurch verschwindet kein Krieg und Gewalt aus Lebenswirklichkeiten. Nein.

Menschen wie ich denken halt nicht so wie Sie, wollen nicht so leben und finden so etwas undemokratisch.
Da brauche ich gar nicht mehr darauf eingehen, dass hier noch wiederholt Trauerfeierlichkeiten für SoldatInnen angegriffen wurden, und anmerken wie ungeheuerlich zynisch ich es finde, wenn man so etwa durchblicken lässt, dass man der Meinung ist man sei selbst Schuld wenn man sich in so ein Gefahrengebiet auf Militäreinsatz begibt. Das sind nämlich alles reale Menschenleben: einzelne Schicksale.
Obwohl ich etwa eigentlich nicht an „abgestumpfte“ Menschen glaube, und eine Rede davon bei ComputerspielerInnen wie mir ich schlicht (auch) für menschenverachtend halte, frage ich mich schon, ob es nicht weit eher angebracht wäre so bei diesem „Antimilitarismus“ einer zumindest vermeintlichen Friedensbewegung da einmal eine „Studie“ durchzuführen…
Ebenfalls brauche ich eigentlich nicht mehr bemerken, dass ich eine Heroisierung von SoldatInnen unter Umstanden für eine sogar sehr gute Sache halte: schließlich verdanke ich persönlich der US-amerikanischen oder auch russischen, militärischen Befreiung meines Landes, dass Menschen wie ich hier heutzutage wenigstens theoretisch überleben können.
Ein Andenken das ich gerade auch in den älteren Call-of-Duty-Spielen hoch halten möchte.‘

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Spiegel: Sensation – gewaltloser „Shooter“ erfunden

5. Juni 2011

Von Michel Ancel. The world according to C. Görig.

Gerade in den Nintendo-News…

7. September 2010

Das finde ich doch witzig: wie Agence France-Presse mitteilt habe Houellebecq für „La carte et le territoire“ sich bei der Wikipedia bedient… Slate beschuldigt. Mindestens drei Passagen seien kopiert worden. Welche Ehre für dieses Wiki!
„Fälschung“ lautet der Vorwurf. Für Houellebecq wohl naturgemäß (bloß) „eine Technik der Beleidigung“. Er sei nicht der Einzige welche „Schriftstücke und Erfindung“ miteinander verblende. „Das ist eine Art Patchwork, ein Verweben, eine Verschlingung … Ich hoffe, dass es zur Schönheit meiner Werke beiträgt, wenn ich diese Art von Material verwende“, nicht dass ich das als (anderer) Autor auch täte, aber lustig finde ich es schon, wenn angeblich Freies dort aus Texten nicht mehr frei zur Verfügung stünde. Bei dieser Ansammlung von Übermenschen welche posten, sowie sage und schreibe noch selbst (!) über Point of Views bestimmen wollen…

Shane Fenton über Werner Hopf

4. September 2010

Bildunterschrift: „anti-gaming since 198x…“

Ta Douleur

2. Juni 2010

Test Drive Unlimited 2 auf Ibiza

30. April 2010

Erfreuliche Eindrücke bei MTV, mit Produzentin Nour Polloni (Alone in the Dark 2008)

Peter Bogdanovich, Stephen Frears,…

19. Februar 2010

usw. In Kurzfilm-Doku zu „Heavy Rain“. Terry Gilliam, Kassowitz u.a. auf Panel beim Launch-Event zum Spiel in Paris: Sony
Zumindest für diese PR Beim neuen Opus Magnum, welches übrigens das letzte SerienmörderInnen-Spiel von Quantic Dream sein soll (via IDG), ist David Cage schonmal nur zu gratulieren

Was für eine Heuchelei

13. November 2009

Damit ist die europäische Linke endgültig reaktionär und verlogen worden für mich – ohne weitere Worte: http://www.liberation.fr/culture/0101594040-cohn-bendit-critique-la-position-de-frederic-mitterrand-sur-polanski

 

Frédéric Mitterand: „Man kennt die Bedingungen, unter denen das passiert ist.

28. September 2009

Und genauso wie es ein großzügiges Amerika gibt, das wir lieben, gibt es auch ein gewisses Amerika, das Angst macht. Und dieses Amerika hat uns heute sein Gesicht gezeigt“, zur schrecklichen Situation um den nach dreißig Jahren Kulturschaffen für Europa in Zürich auf einmal inhaftierten Roman Polanski Polanski ficht Auslieferung an USA an: «Leider hat es diesmal Herrn Polanski getroffen»

Offener Brief an einen Autor der Kleinen Zeitung, anlässlich der Veröffentlichung des Kommentars „Quentin Riefenstahl“ am 23.8.2009 63

23. August 2009

Sehr geehrter Herr Titz!
Ich verstehe nicht und beobachte seit Jahren Woche für Woche wie in Ihrer Zeitung jeder zurückhaltend-reduktionistische, einem vermeintlichen Realismus nachgehende Spielfilm in dem kaum Bewegung herrscht, vor allem aus Frankreich, für „außergewöhnlich“ gut gehalten wird – Ausnahmen bestätigen die Regel – Genre-Filme jedoch für gewöhnlich abgewertet oder gleich übergangen werden. Dabei gibt es gerade in Frankreich auch ein lebendiges Genre-Kino, dessen Werke oder wohl eher Produkte wie es in Ihrer Zeitung so heißen würde, zwar beständig Gefahr laufen im Nachbar Deutschland verboten zu werden, in Frankreich dennoch einen Platz haben. Nicht nur als Filme die dort, wie glücklicherweise hier in Österreich auch, auf Video verkauft und verschenkt werden dürfen, sondern auch eine entsprechende Produktionsumgebung in Frankreich vorfinden.
Dazu braucht es gar kein Hollywood und diese Filme könnten aufgrund ihrer oft noch sexuell aufgeladenen Brutalität in den USA häufig auch gar nicht so einfach in die Kinos kommen, ganz abgesehen von der Sprachbarriere.
Hierzulande ist bis auf zwei Arbeiten des ehemaligen Kameramanns von Michael Haneke, Andreas Prochaska, ebenfalls kaum etwas aus diesem Bereich zu nennen: Prochaska, der sich in einem Interview anfangs einmal relativ erschrocken gezeigt hat in welcher Gesellschaft er sich beim Genre-Film befindet und von Klassikern aus diesem Bereich als „merkwürdiges Zeug“ gesprochen hat.

Tarantino? Dessen Filme brauchen um ein solches Schicksal nicht zu fürchten, dafür kann wirklich im gesamten deutschsprachigen Feuilleton irgendwie noch gelegentliches Verständnis aufgebracht werden, und ich sage bewusst kritisch dazu: warum auch immer.
Wo die Ablehnung für derlei Stoffe, Inhalte UND Formen sonst für gewöhnlich doch einhellig ist.
Und mag sein, dass das sogar wirklich auch ein Manko von Tarantino ist, dass sich dieser so einem etablierten Geschmack und Empfinden mit seinen ganzen Zitaten und der seinen Filmen inne wohnenden Ironie angebiedert hat. Ich sage noch: diese Zitate und die Ironie müssen darin nicht vorkommen, doch weshalb sollte die Gewalt um welche es darin doch auch geht ausgeblendet werden?
Oder gleich gar nicht thematisiert werden? Bloß aus dem off denunziert, so wie bei Herrn Haneke, zur selbstgefälligen moralischen Überlegenheit – weil ein anderer Blick bloß der Konsumierbarkeit von Gewalt dienen würde? Zum Wohle wessen? Wer von „Infantilität“ spricht denkt eine andere „Reife“ mit: kann sich jemand der einen (Alp-)Traum gegen die vermeintliche Realität eintauscht, auch gegen eine historische Realität – dem „so wie es wirklich gewesen ist“ -, nicht bloß ebenfalls etwas einbilden?
Wo ist der Respekt für das (alp)träumen?

Ich halte nicht sehr viel davon, wenn sich Schauspieler ernsthaft als Holocaust-Opfer verkleiden. Dabei wird mir schnell übel, und in diesem gefühlten Zustand befinden sich auch meine rationalen Vorbehalte gegen einen solchen Realismus. Weiß auch, dass ich zumindest mit diesem Gefühl in Österreich nicht ganz allein bin: in Robert Schindels Roman „Gebürtig“ wird dieses Unbehagen, auch verfilmt, thematisiert. Kann ich nur empfehlen.

Am Beispiel „Inglorious Basterds“: dort einen mangelhaften Respekt zu beklagen wirkt äußerst befremdlich auf mich – einerseits den Nachnamen vom Urheber des Films durch den der bekanntesten Propagandistin des Nationalsozialismus austauschen und dann noch mangelhaften Respekt für Nazis fordern, weil ansonsten etwas (auch) „Menschenverachtung“ wäre? Allen anderen wird in dem Film doch ausreichend Respekt entgegengebracht. Eine hohe Wertschätzung für Riefenstahl ist in den USA keineswegs ungewöhnlich, keine Provokation wie hierzulande leider anscheinend immer noch, wo zwischen Form und Inhalt offenbar nicht unterschieden werden kann. Mit der Akzeptanz von Nationalsozialismus hat das doch nichts zu tun und diese Wertschätzung hat auch ein George Lucas vor Jahren bereits verlautbaren lassen: für sein Star-Wars-Märchen hat er sie als Grundlage der „dunklen Seite“ verwendet, bei der gleichen feudalen Grundlage für die „guten“. Faschismus ist ohne Riefenstahl kaum darstellbar aus meiner Sicht. Faschismus als repräsentative Staatsform, das Verbrechen als Fiktion – vom Alltag bis zu „Festen“ – hat Pasolini in seinem letzten Film 1975 gezeigt. Doch wieso soll der repräsentative Faschismus automatisch positiv gemeint sein, und nicht bedrohlich? Ganz abgesehen von der Frage, worin überhaupt die Vorzüge eines Inhalts über die Form bestehen sollten.
Für mich sind solche Bilder immer bedrohlich. Das ist es dann auch was nicht gezeigt werden sollte? Die Bedrohung des Faschismus?

Andererseits kommt wiederum kaum eine einschlägige Sportübertragung im Fernsehen ganz ohne eine solche Ästhetik aus, dort sehr wohl positiv – als Mensch mit Behinderung halte ich eine solche Affirmation bei körperlicher Ertüchtigung schon für hinterfragenswert. Aber mir gefällt das manchmal auch, wenn vom 3m-Brett in Zeitlupe ins Wasser Turm-gesprungen wird. Na und?
Wenn Sie das futuristische Manifest Marinettis gelesen und sich mit Protofaschismus beschäftigt haben, werden Sie schnell feststellen, dass explizite Gewaltdarstellung dessen Sache kaum gewesen sein konnte – das hätte jeder „reinigenden Befreiung“ durch Gewalt, dem Krieg als „Hygiene“, so widersprochen. Das versehrte, die Opfer, darzustellen war immer eher Sache einer anderen, später politisch verfolgten Moderne – bis Darstellungen von Leid und Schrecken wiederum später vor allem im deutschsprachigen Europa beständig Affirmation unterstellt wurde, wenn es sich um die populäre Kultur gehandelt hat, und heute auch so wohl gemeint wird – vor allem in Deutschland – einer populären Gefahr dadurch noch entgegen treten zu können. Dieses entgegen-treten, oft noch so wie in Deutschland mit Verboten bis hin zum Strafrecht, und nicht bloß Ausblendung/Abwertung wie im Falle der Kleinen Zeitung, ist es dann auch, das ich schon eher den Vorwurf einer neuen kulturellen Sauberkeit mache. Und einer Fassade welche keine schmutzigen Bilder sehen will und hinter der die bekannten Abgründe lauern. Die können nämlich, wenn auch versteckt, weiterhin Alltag sein.
Was ist da schon gegen andere Körperdarstellungen zu sagen, welche einmal eben nicht „gesund“-schönes zeigen?

Auch dem Soldaten James Ryan wurde so unterstellt, der Film erfreue sich in seinen Anfangsszenen bloß an den Schrecken des Krieges. Sowie Schrecken und Leid gibt es auch bei den „Inglorious Basterds“ zu sehen, vorausgesetzt es wird nicht gleich als zynisch gemeint affirmativ interpretiert. Der Humor in einem solchen Film liegt aus meiner Sicht jedenfalls ganz woanders als in den Gewaltdarstellungen – was wiederum jedoch noch lange nicht bedeutet, dass man auch daran nicht seinen Spaß haben kann, vorausgesetzt die eigenen Moralvorstellungen werden hinterfragt und/oder zurückgenommen.
Und Spielberg, so wie ich ebenfalls seit vielen Jahren schon passionierter Videospieler, hat nicht nur Schindlers Liste verfilmt, sondern war auch an den „Transformers“ beteiligt.
Einem „Kriegsfilm für Kinder“, wie es oft heißt, womöglich gleich nachdem ein kritischer Film von Eli Roth als „Folterporno“ beschimpft wurde – was laut Roth, der ebenfalls in „Inglorious Basterds“ zu sehen ist, mehr über den Schimpfenden aussagt als einen Film. Dabei erinnere ich mich an die Werbung für ein Buch, die Sie in der Zeitung mal gemacht haben: wenn Peter Bürger über „Staatskunst“ aus Hollywood schreibt, so scheint er für mich eher eigene Gewaltfantasien in die Kultur Andersdenkender zu transportieren und diesen – Menschen wie mir – dann zu unterstellen, wofür er hierzulande „friedensbewegt“ noch Preise erhält. Aus meiner Sicht wäre das bereits nach einem Besuch auf dessen Homepage leicht nachvollziehbar, wenn er sich dort in einem autobiographischen Text kurz in die Rolle des Colonel Kurtz aus „Apocalypse Now“ begeben hat. Jemand, der Freude an Action- und Horrorfilmen, von Tarantino angefangen, hat, muss nicht so zynisch bis gewaltverliebt denken. Wirklich nicht. Derlei Unterschiede in der Wahrnehmung sind es dann auch welche nichts anderes als kulturelle Fremdenfeindlichkeit für mich darstellen. Und diese vermeintliche gesellschaftliche Urteilskraft ist es auch was ich kritisieren möchte.

Aber vielleicht muss da wirklich bei Null angefangen werden und erstmal (wieder) Toleranz eingefordert sein, denn wer kann so schon gegen kulturelle Diversität auftreten und gleichzeitig Gewaltverzicht sowie Friedfertigkeit fordern? Vorschreiben wollen was zu gefallen hat, ein Interesse an der fiktionalen Darstellung vermeintlicher Lebenswirklichkeiten gegenüber fiktive (Alp-)Träume ausspielen, und für ein friedliches, sowie respektvolles Miteinander indirekt plädieren?

Hochachtungsvoll, Jürgen Mayer