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Keine Vorurteile: der Hass der Kleinen Zeitung, oder das Feindbild des Weihnachtsmannes als immer wiederkehrendes Opfer

23. Dezember 2010

Da braucht keine Zeile gelesen zu werden um zu wissen was dort alljährlich gespielt wird, welche Ressentiments bedient werden – was so unter „Kritik“ womöglich noch verstanden wird: als ich vorhin aus einiger Entfernung ein Bild des Weihnachtsmannes in der Kleinen Zeitung verkehrt erblickte. Denn die Erfahrung hat alle Jahre gelehrt was dort in diesen Tagen transportiert wird, welcher Hass gegenüber anderen, fremden Menschen, welche Hoheit über deren Kultur. Kultur, welche so womöglich noch geleugnet wird. Gegen „Kommerz“ oder „Trivialisierungen“ – die Hoheit und Gewalt mit moralischen oder sonstigen Überlegenheitsdünkeln – heuer anscheinend bloß überdeutlich.
Jedes Jahr dasselbe Spiel – wie bei der Gewalt gegen Gewaltdarstellungen.

Ich hätte Vorurteile hat es geheißen – bis der Artikel zum Bild selbst gelesen wurde: da ich mich wegen meiner schon schwer angeschlagenen Gesundheit nicht aufregen solle lediglich ein Titel (Der Dicke aus Amerika), sowie zwei Schlagwörter „Globalisierung“ und „Coca-Cola“ geliefert.

So hat der Antiamerikanismus, diese kulturelle Fremdenfeindlichkeit, bereits seit Jahrzehnten in Österreich Saison – die Frage ist bloß wie es weitergehen wird, ob auch hier demnächst populistische Zustände wie in Osteuropa zu erwarten sind. Die Kleine Zeitung ist jedenfalls auf den besten Weg auch dahin

Doch nicht einmal diese Schlagwörter und/oder der Titel wäre/n so eben nötig gewesen, denn das Bild eines Weihnachtsmannes genügt in der Zeitung schon um zu wissen was das Ganze solle – es gleicht in jedem Fall einer Karrikatur welche negative Gefühle schüren soll.

Kein Platz für Ambivalenz

Der Weihnachtsmann ist dabei auch nichts, das Freude bereiten dürfe – er oder es, das Weihnachten der Anderen, soll offenbar unterdrückt werden, sich dagegen behauptet werden. Der Weihnachtsmann ist dort kein Sympathieträger wie für Menschen wie mich. Die auch KatholikInnen sind. In einem Land in welchem etwa auch Kruzifixe beschämenderweise aus dem öffentlichen Leben noch immer nicht verschwunden sind: ein Umstand für den ich mich als Katholik darüber hinaus zutiefst schäme.

Denn weder Schulen und Gerichte noch Weihnachten sind bloß für ChristInnen da, deren Intoleranz sie womöglich auch nur zu eingebildeten ChristInnen macht: Weihnachten ist für alle Menschen da. Auf der ganzen Welt. Ob als Xmas oder im Umfeld von anderem Religiösem wie Chanukka. Doch gerade gegen diesen eigentlich zutiefst katholischen Gedanken wird sich so gewehrt, wenn ein Dorf oder eine „Region“ beschworen wird. Gar immer noch und wieder ein „Abendland“. Aus einer kleingeistigen Pseudo-Metropole in der selbst BettlerInnen vertrieben werden und die sich noch einbildet eine Stadt der Menschenrechte (mal gewesen) zu sein, obwohl sie früher mal doch einen ganz anderen Titel trug…
Wovon so naturgemäß auch nichts gewusst werden möchte

Ähnlich wie in anderen Fällen kultureller Fremdenfeindlichkeit in der Form auch ist es so eben zudem weniger ein „für“ etwas sein, als ein „dagegen“ in Intoleranz, Verachtung und Illiberalität: die eigene Stellung wird nicht hinterfragt – bleibt ohne einen Gedanken an andere Unternehmungen zu verschwenden fern jeglicher „Kritik“. So wie die ganze Heuchelei in diesen Tagen: wie schön wäre es, auch für mich als überzeugten Katholiken, ein Christentum beständig hoch leben zu lassen – nein, stattdessen wird ähnlich wie bei den diversen Friedensbewegungen gegen „Militär“ der Weg des Hasses beschritten – die mehr oder weniger unterschwellige Forderung einer eingebildeten, brutalen Säuberung, wenn schon nicht offen faschistoider Reinigung, und Herrschaft von „Kultur“. Vom Kommerz etc. „Kultur“ dermaßen normiert ist auch grundsätzlich eher Gewalt, und hätte eben keine Berechtigung in einer Gesellschaft friedlichen Miteinanders.
Was Menschen an Weihnachten so auch immer tun mögen: ob beten oder in geselligem Beisammensein Krieg spielen, sich damit auseinander setzen. Ohne darüber mit der realen Gewalt eines Journalismus oder Schlimmerem zu bestimmen zu suchen, Druck auszuüben. In für mich nur abscheulich zu nennenden Vorstellungen eigener Überlegenheit.
„Kultur“ welche völlig undemokratisch so auch bloß Wenige schaffen könnten, ja eben dürften, „Kulturschaffende“ – wo Andersdenkende routinemäßig ausgegrenzt werden. Kein Wort sagen

Man nichts hört – von Niemandem.

Dennoch existieren sie. Menschen wie ich. Welche auch Menschen sind und weiterhin ihre Kultur leben möchten!
Und dabei werden diese Formen intoleranten Hasses gegenüber angeblich tatsächlicheren Rassismen wie gegen Hautfarben noch geleugnet oder zumindest verharmlost. Wird ihnen vielfach darüber hinaus auch zugestimmt.
Eine Gefahr welche so ebenfalls nicht wahrgenommen wird – in ihrer Bestimmung über andere Leben und Denkweisen wie den Meinigen.

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Kulturförderungen…

10. September 2010

Kommentar: ‚Wie soll
Ignoranz etwas erklärt werden??? 😦 Um noch mehr Vorurteile aufzubauen ist mir meine Zeit und mein Leben zu schad, anderen ja um Gamer zu sein und so… Nichts mehr zu sagen. „Mundtot gemacht“, aber nicht durch eine „Medien-Maschine“ wie es von „Kulturjournalisten des Jahres“ heißt, sondern durch die Gewalt dieser hiesigen Normen, der Brutalität einer normierten Schaffung von „Kultur“ welche nichts anderes tut als Andere(s) ständig und nachhaltig ab- sowie auszugrenzen. Wo „Kulturschaffende“ wie eine eigene Spezies behandelt werden und offenbar keineswegs alle Menschen seien – wo Menschen wie ich aufgrund ihres Körpers als „andere Lebensformen“ noch gönnerhaft beschimpft werden, etc.
Wo das Übermenschen-Gehabe links wie rechts durchdringt.‘

„Aber, wie gesagt…“: Gedanken zur eingebildeten Liberalität eines strengen Konservativismus und mehr

22. April 2010

Das folgende soll die moralischen Überlegenheitsvorstellungen, ein gewisses Gehabe der kulturellen Sauberkeit samt Überhöhung fern jedweder Begründung, die Gewalt solcher Normen gegen Gewaltdarstellungen, diese als Gewalt imaginierend, deutlich machen.
Wenn die autoritäre Intoleranz einer Sprechkombination wie „warum? Darum“ die öffentliche Meinung bildet, wird Ausdruck, so konsensuell und legitim dieser auch immer entstanden sein mag, zum Verbrechen. Und womöglich noch eingebildeter Humanismus zu dieser Gewalt – im großen wie in der „Kleinen“.

In einem Land wo der amtierende Bundespräsident dort als „altlinks“ bezeichnet wurde, während seine Gegenkandidatin halt „altrechts“ sei? So what? Man sich bei der „Altrechten“ vielleicht wirklich nicht einmal ganz sicher sein kann, dass diese auf folgendem Video vielleicht nicht doch über Gaskammern und industrielle Vernichtung von Menschenleben lacht, und nicht bloß eine andere, unbekannte Frau die ihr (nur) äußerlich ähnelt:

Indymedia

So in etwa? Solches Bürgertum?
In einem Land wo es wahrscheinlich wirklich keinen Sinn macht einen Gegenkandidaten, eine Gegenkandidatin links von einem Kandidaten zu pushen, der einem Slogan welcher Abtreibungen mit dem Holocaust wörtlich zusammenführt „inhaltlich“ „Recht“ gibt, so dass dieseR auch tatsächlich gewählt werden könnte – Kommentar. Ganz abgesehen von gemäßigter konservativen Alternativen

Gewaltdarstellungen werden nicht wegen ihres Kontextes abgelehnt, sondern wegen ihrer bloßen Existenz – in Verbindung mit einer gedachten Unschuld von Kindern offenbar mehr denn je. Der (restliche) Inhalt eines Bildwerkes mag da eine völlig untergeordnete Rolle nur mehr spielen

Da die Zeitung keine solchen Texte ins Internet stellt http://www.kleinezeitung.at/ Muss ich mich an dieser Stelle leider mit Zitaten begnügen (Kleine Zeitung 22.4.2010 72): ‚“Kick-Ass“: Fragwürdig gewalttätiges Vergnügen“ heißt es da schon in einer Bildunterschrift. Der Text zu dem wie bei Genre-Filmen dort üblich mit der niedrigst möglichen Wertung vergebene Streifen ‚1/5 Sternen, „Nein danke!“‚ von Reinhold Reiterer trägt die Überschrift „Grenzüberschreitung mit elfjähriger Killerin“.

Gegen den Film selbst wird darin nicht das geringste vorgetragen – man ist im Gegenteil noch voll des Lobes (!): ‚Matthew Vaughns „Kick-Ass“ ist ein gut gemachter Film, der auf leisen Sohlen daherkommt, dabei aber doch immer wieder überrascht. Er ist aber mit einem Maß an Gewalt ausgestattet, vor dem gewarnt werden muss…“
Es folgt eine kurze, neutrale Inhaltsbeschreibung – bevor die darin enthalten sein sollende „Medienkritik“ noch gewürdigt wird (!!).
‚Auf Youtube wird der Superheld etabliert, das „normale“ Fernsehen steigt ein. Dieser medienkritische Aspekt zählt neben humoristischen Aspekten zu den Positiva des Streifens. Aber, wie gesagt: Eine Elfjährige als brutale Killermaschine macht Zustimmung unmöglich.‘

Als Ausgleich dazu empfehle ich die in der Filmzentrale von mir neu entdeckte Rezension zum spanischen Terrorfilm „¿Quién puede matar a un niño?“ (Ein Kind zu töten) von Sven Jachmann: Filmzentrale

„Altlinks“ gegen „altrechts“

4. März 2010

Ist das wirklich Österreich?
Vorhin habe ich nach Monaten es wieder mal gewagt kurz in die Kleine Zeitung zu blicken – ich hätte es wohl besser bleiben lassen sollen: im Kulturteil wird wie gewohnt gegen die neu anlaufenden Kino-Effeke eines Tim Burton gewettert, welche wahrscheinlich zu wenig gerecht für Kinder erscheinen, und irgendwas wohl vermeintlich „realistisches“ wieder für „außergewöhnlich“ gehalten – irgendjemand aus fernen Ländern „auf Brautschau“, womit man sich anscheinend die eigene eingebildete Aufgeschlossenheit selbst bereits ausreichend bestätigt hat – denn bei der innenpolitischen Bundespräsidentenwahl ist man scheinbar völlig unfähig schon sich auch nur einigermaßen von der FPÖ-Kandidatin zu distanzieren, welche sich dem Vernehmen nach wiederum nicht von ihrem Mann distanzieren mag welcher noch in der Liste hier aufscheint Rechtsextremismus in Österreich. Die sei eben „altrechts“ – so wie der zur Wiederwahl kandidierende Amtsinhaber „altlinks“. Aha 😦
Der „auf Brautschau“ wird so auch weit genug weg sein von hier und nicht etwa um Asyl ansuchen (wollen), oder gar aus anderen Gründen – womöglich noch „unqualfiziert“ – einzuwandern gedenken

„Abgewirtschaftet“…

16. Dezember 2009

Nachdem ich vorhin den heutigen Aufmacher der kleingeistigen Zeitung bei mir vernahm dachte ich mir schon, weshalb eine solche Schlagzeile nicht vor ein paar Jahren schon möglich gewesen wäre, als der Jörgele noch unter den Lebensmenschen wandelte. Läuft da etwa gar nix mit investigativem Journalismus in diesen Ländern?

Offener Brief an einen Autor der Kleinen Zeitung, anlässlich der Veröffentlichung des Kommentars „Quentin Riefenstahl“ am 23.8.2009 63

23. August 2009

Sehr geehrter Herr Titz!
Ich verstehe nicht und beobachte seit Jahren Woche für Woche wie in Ihrer Zeitung jeder zurückhaltend-reduktionistische, einem vermeintlichen Realismus nachgehende Spielfilm in dem kaum Bewegung herrscht, vor allem aus Frankreich, für „außergewöhnlich“ gut gehalten wird – Ausnahmen bestätigen die Regel – Genre-Filme jedoch für gewöhnlich abgewertet oder gleich übergangen werden. Dabei gibt es gerade in Frankreich auch ein lebendiges Genre-Kino, dessen Werke oder wohl eher Produkte wie es in Ihrer Zeitung so heißen würde, zwar beständig Gefahr laufen im Nachbar Deutschland verboten zu werden, in Frankreich dennoch einen Platz haben. Nicht nur als Filme die dort, wie glücklicherweise hier in Österreich auch, auf Video verkauft und verschenkt werden dürfen, sondern auch eine entsprechende Produktionsumgebung in Frankreich vorfinden.
Dazu braucht es gar kein Hollywood und diese Filme könnten aufgrund ihrer oft noch sexuell aufgeladenen Brutalität in den USA häufig auch gar nicht so einfach in die Kinos kommen, ganz abgesehen von der Sprachbarriere.
Hierzulande ist bis auf zwei Arbeiten des ehemaligen Kameramanns von Michael Haneke, Andreas Prochaska, ebenfalls kaum etwas aus diesem Bereich zu nennen: Prochaska, der sich in einem Interview anfangs einmal relativ erschrocken gezeigt hat in welcher Gesellschaft er sich beim Genre-Film befindet und von Klassikern aus diesem Bereich als „merkwürdiges Zeug“ gesprochen hat.

Tarantino? Dessen Filme brauchen um ein solches Schicksal nicht zu fürchten, dafür kann wirklich im gesamten deutschsprachigen Feuilleton irgendwie noch gelegentliches Verständnis aufgebracht werden, und ich sage bewusst kritisch dazu: warum auch immer.
Wo die Ablehnung für derlei Stoffe, Inhalte UND Formen sonst für gewöhnlich doch einhellig ist.
Und mag sein, dass das sogar wirklich auch ein Manko von Tarantino ist, dass sich dieser so einem etablierten Geschmack und Empfinden mit seinen ganzen Zitaten und der seinen Filmen inne wohnenden Ironie angebiedert hat. Ich sage noch: diese Zitate und die Ironie müssen darin nicht vorkommen, doch weshalb sollte die Gewalt um welche es darin doch auch geht ausgeblendet werden?
Oder gleich gar nicht thematisiert werden? Bloß aus dem off denunziert, so wie bei Herrn Haneke, zur selbstgefälligen moralischen Überlegenheit – weil ein anderer Blick bloß der Konsumierbarkeit von Gewalt dienen würde? Zum Wohle wessen? Wer von „Infantilität“ spricht denkt eine andere „Reife“ mit: kann sich jemand der einen (Alp-)Traum gegen die vermeintliche Realität eintauscht, auch gegen eine historische Realität – dem „so wie es wirklich gewesen ist“ -, nicht bloß ebenfalls etwas einbilden?
Wo ist der Respekt für das (alp)träumen?

Ich halte nicht sehr viel davon, wenn sich Schauspieler ernsthaft als Holocaust-Opfer verkleiden. Dabei wird mir schnell übel, und in diesem gefühlten Zustand befinden sich auch meine rationalen Vorbehalte gegen einen solchen Realismus. Weiß auch, dass ich zumindest mit diesem Gefühl in Österreich nicht ganz allein bin: in Robert Schindels Roman „Gebürtig“ wird dieses Unbehagen, auch verfilmt, thematisiert. Kann ich nur empfehlen.

Am Beispiel „Inglorious Basterds“: dort einen mangelhaften Respekt zu beklagen wirkt äußerst befremdlich auf mich – einerseits den Nachnamen vom Urheber des Films durch den der bekanntesten Propagandistin des Nationalsozialismus austauschen und dann noch mangelhaften Respekt für Nazis fordern, weil ansonsten etwas (auch) „Menschenverachtung“ wäre? Allen anderen wird in dem Film doch ausreichend Respekt entgegengebracht. Eine hohe Wertschätzung für Riefenstahl ist in den USA keineswegs ungewöhnlich, keine Provokation wie hierzulande leider anscheinend immer noch, wo zwischen Form und Inhalt offenbar nicht unterschieden werden kann. Mit der Akzeptanz von Nationalsozialismus hat das doch nichts zu tun und diese Wertschätzung hat auch ein George Lucas vor Jahren bereits verlautbaren lassen: für sein Star-Wars-Märchen hat er sie als Grundlage der „dunklen Seite“ verwendet, bei der gleichen feudalen Grundlage für die „guten“. Faschismus ist ohne Riefenstahl kaum darstellbar aus meiner Sicht. Faschismus als repräsentative Staatsform, das Verbrechen als Fiktion – vom Alltag bis zu „Festen“ – hat Pasolini in seinem letzten Film 1975 gezeigt. Doch wieso soll der repräsentative Faschismus automatisch positiv gemeint sein, und nicht bedrohlich? Ganz abgesehen von der Frage, worin überhaupt die Vorzüge eines Inhalts über die Form bestehen sollten.
Für mich sind solche Bilder immer bedrohlich. Das ist es dann auch was nicht gezeigt werden sollte? Die Bedrohung des Faschismus?

Andererseits kommt wiederum kaum eine einschlägige Sportübertragung im Fernsehen ganz ohne eine solche Ästhetik aus, dort sehr wohl positiv – als Mensch mit Behinderung halte ich eine solche Affirmation bei körperlicher Ertüchtigung schon für hinterfragenswert. Aber mir gefällt das manchmal auch, wenn vom 3m-Brett in Zeitlupe ins Wasser Turm-gesprungen wird. Na und?
Wenn Sie das futuristische Manifest Marinettis gelesen und sich mit Protofaschismus beschäftigt haben, werden Sie schnell feststellen, dass explizite Gewaltdarstellung dessen Sache kaum gewesen sein konnte – das hätte jeder „reinigenden Befreiung“ durch Gewalt, dem Krieg als „Hygiene“, so widersprochen. Das versehrte, die Opfer, darzustellen war immer eher Sache einer anderen, später politisch verfolgten Moderne – bis Darstellungen von Leid und Schrecken wiederum später vor allem im deutschsprachigen Europa beständig Affirmation unterstellt wurde, wenn es sich um die populäre Kultur gehandelt hat, und heute auch so wohl gemeint wird – vor allem in Deutschland – einer populären Gefahr dadurch noch entgegen treten zu können. Dieses entgegen-treten, oft noch so wie in Deutschland mit Verboten bis hin zum Strafrecht, und nicht bloß Ausblendung/Abwertung wie im Falle der Kleinen Zeitung, ist es dann auch, das ich schon eher den Vorwurf einer neuen kulturellen Sauberkeit mache. Und einer Fassade welche keine schmutzigen Bilder sehen will und hinter der die bekannten Abgründe lauern. Die können nämlich, wenn auch versteckt, weiterhin Alltag sein.
Was ist da schon gegen andere Körperdarstellungen zu sagen, welche einmal eben nicht „gesund“-schönes zeigen?

Auch dem Soldaten James Ryan wurde so unterstellt, der Film erfreue sich in seinen Anfangsszenen bloß an den Schrecken des Krieges. Sowie Schrecken und Leid gibt es auch bei den „Inglorious Basterds“ zu sehen, vorausgesetzt es wird nicht gleich als zynisch gemeint affirmativ interpretiert. Der Humor in einem solchen Film liegt aus meiner Sicht jedenfalls ganz woanders als in den Gewaltdarstellungen – was wiederum jedoch noch lange nicht bedeutet, dass man auch daran nicht seinen Spaß haben kann, vorausgesetzt die eigenen Moralvorstellungen werden hinterfragt und/oder zurückgenommen.
Und Spielberg, so wie ich ebenfalls seit vielen Jahren schon passionierter Videospieler, hat nicht nur Schindlers Liste verfilmt, sondern war auch an den „Transformers“ beteiligt.
Einem „Kriegsfilm für Kinder“, wie es oft heißt, womöglich gleich nachdem ein kritischer Film von Eli Roth als „Folterporno“ beschimpft wurde – was laut Roth, der ebenfalls in „Inglorious Basterds“ zu sehen ist, mehr über den Schimpfenden aussagt als einen Film. Dabei erinnere ich mich an die Werbung für ein Buch, die Sie in der Zeitung mal gemacht haben: wenn Peter Bürger über „Staatskunst“ aus Hollywood schreibt, so scheint er für mich eher eigene Gewaltfantasien in die Kultur Andersdenkender zu transportieren und diesen – Menschen wie mir – dann zu unterstellen, wofür er hierzulande „friedensbewegt“ noch Preise erhält. Aus meiner Sicht wäre das bereits nach einem Besuch auf dessen Homepage leicht nachvollziehbar, wenn er sich dort in einem autobiographischen Text kurz in die Rolle des Colonel Kurtz aus „Apocalypse Now“ begeben hat. Jemand, der Freude an Action- und Horrorfilmen, von Tarantino angefangen, hat, muss nicht so zynisch bis gewaltverliebt denken. Wirklich nicht. Derlei Unterschiede in der Wahrnehmung sind es dann auch welche nichts anderes als kulturelle Fremdenfeindlichkeit für mich darstellen. Und diese vermeintliche gesellschaftliche Urteilskraft ist es auch was ich kritisieren möchte.

Aber vielleicht muss da wirklich bei Null angefangen werden und erstmal (wieder) Toleranz eingefordert sein, denn wer kann so schon gegen kulturelle Diversität auftreten und gleichzeitig Gewaltverzicht sowie Friedfertigkeit fordern? Vorschreiben wollen was zu gefallen hat, ein Interesse an der fiktionalen Darstellung vermeintlicher Lebenswirklichkeiten gegenüber fiktive (Alp-)Träume ausspielen, und für ein friedliches, sowie respektvolles Miteinander indirekt plädieren?

Hochachtungsvoll, Jürgen Mayer

Tetris – Sirtet, und die Notwendigkeiten von Gewalt

9. Juni 2009

In einem meiner Lieblings-Alltagsobjekte für eine kritische Analyse, der Kleinen Zeitung, stand heute in einer halben Spalte schon einiges erstaunliche über „Moskau, Los Angeles“ und „Tetris“: von „Tetris“ als „ältestem Computerspiel“ war da die Rede, das „heute noch zehn Prozent des Spielemarkts“ ausmache – geht man von einer 40-Milliarden-US-$-Dollar-Industrie in 2007 Aus, würde das einen Umsatz von mehreren Milliarden Dollar allein für „Tetris“-Spiele bedeuten, welche als Summe heutzutage doch vornehmlich am Handymarkt für Hersteller lukriert werden sollten… Noch absurder wird es freilich, wenn man ersterer historischer Behauptung nachgeht: so als ob bezogen auf Archtiektur mit dem Häuserbau in der Welt erst im Mittelalter überhaupt begonnen worden wäre, und nicht schon in der Antike oder gar noch irgendwann davor – schließlich ward die amerikanische Videospielindustrie 1984 schon einmal zusammengebrochen, die Infocom-Ära gerade auf ihrem Höhepunkt, Roberta Williams‘ „Mystery House“ schon längst draußen und „King’s Quest“ gerade im Erscheinen begriffen. Von „Ultima“ gar nicht zu reden, usw.

Aber Hauptsache ein gewisser Glen Chapman kann in der Zeitung Ressentiments und Vorbehalte verbreiten: „Das Spiel kommt ohne Aggressionen aus, ohne Kämpfe und virtuelles Blutvergießen.“

Das Spiel ohne Aggressionen – mag sein, manch Spieler, manche Spielerin, nach „Tetris“ aber sicher

Blättert man schließlich um, kommt auf einmal ganz offensichtlich tiefstes Boulevard zum Vorschein: von einer Frau ist da die Rede, „erstochen, zersägt und im Müll versteckt“. Demnach ist die Kleine Zeitung so gesehen auch anders als „Tetris“, kommt nicht ohne Gewalt aus, für manche aber halt notwendiger – als ob ein ermordeter Mensch notwendig wäre, in der Berichterstattung oder sonstwo. Das ist die Menschenverachtung die ich meine, aber auch (wieder) eine unterschiedlich transportierte Wahrnehmung von Überzeugungen: liest man in diesem Text nämlich weiter, fällt mir auf, dass ungeachtet der Möglichkeit eines bloß wiedergegebenen Selbstverständnisses bei einem „Hare-Krishna-Anhänger“ von religiöser „Ausrichtung“ gesprochen wird, und nicht etwa von Bekenntnissen.

Ganz so wie es die Nähe der Zeitung zu einer etablierten Kirche, welcher ich zufällig auch angehöre, doch vorsieht?

Quentin in der „Kleinen“

21. Mai 2009

Gleich zweimal ätzt die heutige kleingeistige Zeitung über Quentin Tarantino (im Wettbewerb von Cannes).

In einem „Porträt des Tages“ wird über den angeblichen „Herrn des zügigen Blutflusses“ vom „österreichischen Kulturjournalisten des Jahres“, was sag ich, „der letzten Jahre“, bei einer schon penibel wirkenden Aufzählung seiner Filme der Beitrag zum „Grindhouse“ seltsamerweise nicht erwähnt, vielleicht aber auch nur aus Platzgründen anstatt sich eine kurze Erklärung zu allzu unangenehm sein mögenden Diskursen über kulturelle Sauberkeitsvorstellungen zu ersparen, während ein anderer – vielleicht doch erblicher Nachfolger im Kulturjournalisten-Titel einmal kommender Jahre „Inglorious Bastards“ aus Cannes im hinteren Kulturteil berichtet, dass das „Kriegs-Epos“ nicht „wie ein Siegerfilm“ aussehe.

Wider Erwarten sei es kein Aufreger, keine „Blutsuppe“, sondern doch unterhaltsam. Warum aber dann kein Siegerfilm? Ach ja, ich vergaß, „Unterhaltung“ und ein Gewinn in Cannes sollten sich irgendwie ja wohl ausschließen – dem entspricht auch ein Verweis auf das Gerücht „künstlerischer Probleme“ zwischen Tarantino und Isabelle Huppert, um schnurstracks wie selbstverständlich noch eingebildeten Realismus Alain Resnais zu promoten – welcher „Altmeister“ genannt wird, also anders denn ein gewisser „Herr“ im vorderen Teil der Zeitung. Da spielt es auch keine Rolle, dass in Frankreich halt trotz mancher, auch berechtigter, künstlerischer Differenzen sich womöglich vielfältigerer Ausdrucksformen erfreut wird – auch Andersdenkende gleichberechtigt zum Zug kommen können, im Sinne der französischen Filmindustrie noch politisch unterstützt werden http://www.schnittberichte.com/news.php?ID=877 Und sich dort, also im eigentlichen Mutterland eines filmischen Reduktionismus, es auch ein lebendiges Genre-Kino gibt, mit Erzeugnissen welche im großen Nachbarn Deutschland wiederum schon Gefahr laufen beschlagnahmt und vernichtet zu werden.

Ein „Siegerfilm“ mag der neue Tarantino wirklich nicht sein, aber keine kulturelle Fremdenfeindlichkeit ist eine solche Berichterstattung für mich ebenfalls nicht.

Da kann ich die vorgebliche Weltoffenheit im Leitartikel Stefan Winklers, wo dieser die Ideen eines „freiheitlichen“ Europas, eines „Abendlandes“ und „Christentums“, als Karikatur und Bemächtigung eines religiösen Symbols auf „widerwärtige Weise“ bezeichnet, einfach nicht mehr verstehen. Aber das gehört anscheinend zum Selbstbildnis dazu.

Das gilt auch für den damit doch einhergehenden, breitgetretenen Bericht über die offenbar äußerst mangelhafte politische Kultur steirischer Abgeordneter zum Nationalrat http://www.youtube.com/watch?v=MsSphC9Gtew. Es ist halt doch Boulevard. Wie klein der Artikel zur Klage der Volksanwaltschaft gegen Ewald Stadler ausgefallen ist, verwundert mich darüber hinaus ebenso wenig – wenn auf Seite 10 ein halbseitiges Inserat zu finden ist das sich „Post vom Volksanwalt Mag. Ewald Stadler“ nennt, noch unterzeichnet mit „Unser Volksanwalt in Brüssel“.

Aber Hauptsache man kann sich moralisch noch über „Abendland in Christenhand“-Fantasien stellen und gegen Gewaltdarstellungen im Film richten – alles was man halt lieber ausblenden möchte…

„Hier gilt unser Recht. Und sonst nichts.“

9. April 2009

Von Florian Klenk, seines Zeichens stellvertretender Chefredakteur des „Falters“, erschien mit bezeichnenden Fotos von Heinz S. Tesarek im Süddeutsche Zeitung Magazin heute ein so toller Artikel, dass selbst ich mir die SZ Gekauft habe (8f.). Darin kommen Namen und Begriffe vor wie „Bündnis Zukunft Österreich (BZÖ)“, „Sonderanstalt für straffällig gewordene Asylwerber“, „Zecken“ oder „Negermamas“.

http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/28876